Kopflos?
Das Bild ist von provozierender Eindringlichkeit: Ganz am Ende von Mozarts «Idomeneo», während eine festliche Ballettmusik eigentlich das unglückliche Ende dieser Oper feiert und das Publikum normalerweise schon nach seinen Garderobenmarken kramt, lässt Hans Neuenfels in seiner Berliner Inszenierung den Titelhelden noch einmal auf die Bühne der Deutschen Oper treten.
Aus einem blutverschmierten Tuch holt der abgedankte Kreterkönig die vier abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter Jesus, Mohammed und Buddha sowie des Meeresgottes Poseidon, verteilt sie fein säuberlich auf vier Stühle und bricht mit einem irren Lachen zusammen. Der Mensch hat den Glauben an die Götter verloren.
Es ist dies ein Theatercoup, der das Publikum schon bei der Premiere im März 2003 in Empörte und Begeisterte spaltete, hitzige Foyerdebatten und einen Packen Leserbriefe bei den Berliner Zeitungen auslöste. So wie es eigentlich immer ist, wenn Hans Neuenfels, seit den siebziger Jahren als Enfant terrible des deutschen Theaters bejubelt und befehdet, Regie führt. Dass Jahre später jedoch nicht die Premiere, sondern die Absetzung eines Stücks zum Skandal werden sollte, dürfte vermutlich auch für den Regisseur ...
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Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jörg Königsdorf, Hans Leyendecker, Claudia Schwartz, Martin Meyer, Harald Jähner, Thomas Flierl, Christine Lemke-Matwey, Herfried Münkler, Anne Applebaum
Er wartet nur darauf, nach «Wir winden Dir den Jungfernkranz» die Totenkrone überbringen zu dürfen: Ein androgyner Samiel hat sich verkleidet bei den Brautjungfern eingeschlichen und begleitet nun genervt das Ständchen für Agathe. Doch dass der personifizierte Teufel das komödiantische Zentrum der Inszenierung ist, behauptet Brigitte Fassbaender eher, als dass sie...
Puccini als Einnahmequelle. Wenige Rollen dürften zur Alterssicherung einer erfolgreichen Sängerin so gut taugen wie die auf offener Bühne ausgetrickste – und sich dafür schon vorher bitter rächende – Floria Tosca. Als Rückzugspartie für den gepflegten Diven-Ausstand haben zahlreiche Sängerinnen die Rolle lange gesungen – jeder Melomane bewahrt Erinnerungen an...
Auch der Regen ist der gleiche. Vielleicht liegt es ja daran, dass Bad Ischl und Salzburg nur gute fünfzig Kilometer trennen – in der Festspiel-Atmosphäre sind sich die beiden Bilderbuch-Lokalitäten nicht unähnlich. Bloß dass Mozart in der ehemaligen k. u. k. Sommerfrische Lehár heißt und sich dort folgerichtig (fast) alles um Operette dreht. Selbst am...
