Konfektionsbarock
Im Schatten der Händel-Hits «Giulio Cesare» und «Alcina» hat es der 1733 uraufgeführte «Orlando» zu erstaunlicher Popularität gebracht. Über dreißig Inszenierungen hat die Oper um den wahnsinnigen Rittersmann allein in den letzten zehn Jahren erlebt, doch die Produktion der diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele braucht den Vergleich nicht zu scheuen. In der heimeligen Atmosphäre des Deutschen Theaters setzt das Festival auch diesmal auf Händel im historischen Kostüm in der Regie der New Yorker Barocktheaterexpertin Catherine Turocy.
Bei Händels ernsteren Opern produzierten die Soffitten, gemalten Prospekte und Pappmachéfelsen in der Vergangenheit nur eine Mischung aus Langeweile und unfreiwilliger Komik, zu dieser mokanten Komödie passen sie ungleich besser. Eigentlich könnte hier jeden Augenblick ein Monty-Python-Sketch starten. Allzu ernst nehmen, so viel ist klar, sollte man diesen aus verschmähter Liebe rasenden Roland und sein überdrehtes Heldenpathos besser nicht. William Towers mimt mit Silberblick, Plastikharnisch und etwas krähender Höhe ohnehin wunderbar den leicht vertrottelten primo uomo. Die Kanadierin Dominique Labelle macht aus der Angelica passend dazu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Die Welt ein Gedankengebäude. Ein Gespinst aus Ideen nur. Immer wieder fasziniert diese Idee, die Arthur Schopenhauer einst formulierte, als eine Möglichkeit, sich vor ihr als tatsächlichem Gegenstand zu schützen. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist mehr als nur ein Titel eines unzweifelhaft bedeutenden Werkes, das nicht zufällig eine der...
Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...
