Verblüffend authentisch
Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag.
Der Klagenfurter Chefdramaturg hat den fehlerhaften Partitur-Erstdruck, Grundlage aller früheren Bemühungen um die französische Originalfassung, erstmals anhand der an der Stanford University aufbewahrten Partitur-Handschrift sowie der Orchesterstimmen der vom Komponisten selbst einstudierten Uraufführung in den Sammlungen der Pariser Oper korrigiert und ergänzt. Neu gewonnen wurden u. a. eine eigenständige Posaunenstimme und geteilte Fagotte sowie eine offenbar während der Proben penibel abgestufte und schattierte Dynamik. Das führt zu einem wesentlich veränderten Klangbild in puncto Zusammensetzung, Expressivität und Farbigkeit und zu einem sprachähnlichen Gestus, der die Rhetorik der Instrumentalstimmen bis an die Ausdrucksgrenzen ausreizt.
Überraschend an der bereits 1995 von Patrick Fournillier geleiteten Aufführung im italienischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kein New York-Besuch ist wirklich gelungen ohne einen Abend im Lincoln Center. Seit seiner Eröffnung vor fünfzig Jahren gilt es als das amerikanische Zentrum für Musik, Oper, Schauspiel und Tanz. Insgesamt zwölf Organisationen (von der Juilliard School bis zur Metropolitan Opera, dem New York City Ballet über die New York Philharmonic bis zur School of American...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Was wohl mag Georg Friedrich Händel bewogen haben, den Londonern im Jahr 1744 statt des gewohnten Oratoriums die Vertonung eines vierzig Jahre alten Opernlibrettos vorzusetzen, noch dazu ein Werk William Congreves, des Großmeisters der englischen «Comedy of Manners», die zu diesem Zeitpunkt längst aus der Mode war? Deren Kennzeichen ist die hochentwickelte und...
