Körpersatt
Es ist schon erstaunlich, was für ein mittelmäßiger Librettist Lorenzo da Ponte ohne Mozart als Kompagnon sein konnte. In seinem Buch zu Vincente Martín y Solers «Una cosa rara» wirken Situationen wie Charaktere lediglich behauptet, lösen sich die Konflikte in Luft auf, spätestens wenn die Königin mal wieder rettend eingreift. Man darf diese Isabella als Ebenbild des Kaisers Joseph II.
begreifen, dessen Regierungsprogramm hier eins zu eins in ein dramaturgisch unerbittlich auf der Stelle stampfendes Thesentheater gepackt ist: Verschwenderisch, sexuell übergriffig ist der Adel, moralisch porentief rein dagegen die Landbevölkerung, sofern sie sich nicht kaufen lässt – und über all das wacht huldvoll ihre Majestät. Ähnliche Motivlagen finden sich bekanntlich auch in Mozarts «Figaro» und «Don Giovanni» (dessen Tafelmusik «Una cosa rara» zitiert), nur werden sie dort zu großem Menschentheater. Ebenso auffällig: die Tendenz zur Verwendung vieler Ensembles und knapperen solistischen Formen, die Martín auf die Spitze treibt – auch weil sich die Wiederholungsbesessenheit seines musikalischen Dauertändelns mit komplexeren Formen kaum verträgt. Was im Uraufführungsjahr 1786 dazu führte, dass ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Michael Stallknecht
Abkürzungen:
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
UA = Uraufführung
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«L’Ȃge mûr» («Das reife Alter») heißt eine der bekanntesten Plastiken von Camille Claudel. Sie zeigt eine junge Frau, die flehentlich nach der Hand eines davoneilenden Mannes greift, den eine alte Frau mit sich zieht. Die Bildhauerin spiegelte darin eine Ursituation ihres Lebens: die dauerhaft aussichtslose Liebe zu ihrem 24 Jahre älteren Lehrer und zeitweisen...
Der Schöpfer selbst nannte sein Werk eine «Oper ohne Komponisten». Tatsächlich war es eine Reihe von (ahnungslosen) Tonsetzern, bei denen sich Lorenzo Da Ponte für sein Pasticcio «L’ape musicale» («Die musikalische Biene») bediente. Die Sache erwies sich als so ertragreich, dass er das Potpourri gleich viermal auf die Bühne brachte: in Wien (1789 und 1791), in...
