An der Kitschgrenze
«L’Ȃge mûr» («Das reife Alter») heißt eine der bekanntesten Plastiken von Camille Claudel. Sie zeigt eine junge Frau, die flehentlich nach der Hand eines davoneilenden Mannes greift, den eine alte Frau mit sich zieht. Die Bildhauerin spiegelte darin eine Ursituation ihres Lebens: die dauerhaft aussichtslose Liebe zu ihrem 24 Jahre älteren Lehrer und zeitweisen Geliebten Auguste Rodin. Dass Rodin sich letztlich gegen sie entschied, gehörte zum tragischen Verlauf eines Lebens, dessen letzte 30 Jahre Claudel in der Nervenheilanstalt von Montdevergues verbrachte.
Mit stark biografischen Parallelen zwischen Leben und Werk konzipierten der Komponist Jake Heggie und Librettist Gene Scheer den Zyklus «Camille Claudel: Into the Fire» für Stimme und Streichquartett, den Joyce DiDonato bereits 2012 uraufgeführt hat. Nun liegt der Mitschnitt einer Aufführung aus dem vergangenen Jahr in der Wigmore Hall vor, nachdem zu Jahresbeginn bereits die Oper «Great Scott» erschienen war, die Heggie ebenfalls für DiDonato geschrieben hat.
In seinem subtil instrumentierten Liederzyklus greift der amerikanische Komponist geschickt die musikalische Atmosphäre des «impressionistischen» Zeitalters auf, die ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Michael Stallknecht
Als ein «Lebenswerk» hat der Dirigent Michail Jurowski das Projekt bezeichnet, den «Moses» von Anton Rubinstein der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Im vergangenen Herbst führte er in Warschau die Polnische Sinfonia Iuventus und eine umfangreiche Chor- und Solistenriege konzertant durch das dreieinhalbstündige Werk, das in einem an Bibelfilme...
Mit diesem Werk wagte Suppé 1885 noch einmal den Sprung zurück ins Operngenre und zugleich in seine dalmatinische Heimat. «Il Ritorno del Marinaio» spielt auf der Insel Hvar, damals Lisina, und es lag bestimmt am lokalen Kolorit, dass der im Spoleto genannten Split geborene und dort aufgewachsene Operettenfürst nach diesem Stoff griff. Am Libretto jedenfalls lag...
Gemessen an den Preisen, die sie bislang abgeräumt hat – beispielsweise den Beverly Sills Award der Met (2018) und den Richard Tucker Award (2017) –, ist es schon fast erstaunlich, dass Nadine Sierra (30) erst jetzt bei einem Major Label ihr CD-Debüt gibt. Zumal die aus Florida stammende Sopranistin mit familiären Wurzeln in Puerto Rico und Portugal ziemlich genau...
