König Posa
Elisabetta, wie sie ihr Glück mit Don Carlo erlebt. Die französische Königstochter, wie sie dieses Glück opfert. Wie sie sich angesichts der bitteren Armut im Land zur Ehe mit Carlos Vater Filippo II., dem spanischen König, bereit erklärt. Wie sie sich aus politischer, auch sozialer Verantwortung für ihr Volk ins absehbare Unglück begibt. Freudengesänge und Triumphmarsch – und das Desaster zweier junger Menschen.
Das sah und hörte man in Straßburg und Mulhouse noch vor einem Jahrzehnt: «Don Carlos» auf Französisch, im ultralangen Original. Jetzt musste man sich’s hinzudenken.
Jetzt hieß das Werk an der Opéra national du Rhin wieder «Don Carlo», erlebte man die Mailänder Vier-Akte-Version von 1884, auf Italienisch. Giuseppe Verdis materialreichste Musiktragödie, wie sie ist, nicht, wie’s dazu kam. Robert Carsens Inszenierung zeigt Menschen, die ihre Geschichte mit sich tragen, an ihrer bedrückten, allenthalben belauerten Gegenwart leiden, Charaktere, die durch sie geprägt sind. Kein Glück, nirgends.
Radu Boruzescus Bühne: Spanien als Reich der Düsternis, des Grau-in-Grau. Große Räume, die die Menschen klein erscheinen lassen, Räume, die sich zum Kammerspiel, zum Dialogdrama der ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Das Gedankenspiel hätte ihm gefallen: Nach den Regeln der Quantenmechanik, meinte der Physiker Erwin Schrödinger 1935, könne eine Katze, die man in eine Kammer mit instabilen, sprich: potenziell strahlenden Atomen einschließe, gleichzeitig lebendig und tot sein. Warum? Weil man nicht weiß, wann genau die Kerne zerfallen und ihre radioaktive Energie freisetzen....
Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben...
Felix Mottl und Gräfin Thun-Salm lernten sich 1901 in Bayreuth kennen. Er war damals ein viel beschäftigter Dirigent der Festspiele und enger Mitarbeiter von Cosima Wagner. Sie stammte aus Böhmen und lebte abwechselnd auf ihren dortigen Besitztümern und in Wien. Es war keine erotische Beziehung, vielmehr eine Art inhaltlich offener Freundschaft, die jedem von...
