Hungriges Meer
Ein Tisch steht auf der Bühne, darauf liegt ein Berg alter Kleidung. Tot die, die sie getragen haben: Den Mann und fünf Söhne hat die Irin Maurya an das Meer verloren, nur der sechste, Bartley, blieb ihr noch. Und der will heute, bei Sturm, hinausfahren. Unterdessen quält sich Königin Dido, weil sie Aeneas liebt und doch dem verstorbenen Gatten treu bleiben wollte. Unter Zweifeln gibt sie sich hin. Als der Trojaner davonsegelt, tötet sie sich selbst.
Zwei unglücklichen Frauen widmet das Theater Coburg seine neueste Produktion: Purcells «Dido and Aeneas» und «Riders to the Sea» von Ralph Vaughan Williams aus dem Jahr 1937. Dass bei dieser Kombination die Reihen selbst zur Premiere ein wenig luftig bleiben würden, konnten sich die Coburger ausrechnen, trotzdem haben sie das Unternehmen gewagt. Zum Glück – nicht nur Purcells bekannte Barockoper, auch Vaughan Williams’ selten gespielter Einakter ist es wert. Die kontrastierenden Kurzopern schlüssig zusammenzuführen, bedeutet eine echte Herausforderung. Dirigent Roland Kluttig gelingt die Verbindung mühelos – beide Opern kommen zu ihrem Recht. Das barocke Gerüst gliedert der GMD akkurat, im Grundton bleibt er zart und filigran. Nach ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Eva Kröner
Für die lang geschmähte Operette sind längst wieder bessere Zeiten angebrochen. Es scheint, dass – wie in den 50er-Jahren, als Werner Schmidt-Boelcke und Franz Marszalek auf diesem Gebiet Pionierarbeit leisteten – die Rundfunkanstalten bei der Wiederentdeckung und Neubewertung eine führende Rolle spielen. Drei Produktionen aus Hamburg, Köln und München sind jetzt...
Hartmut Haenchens zweibändige Textsammlung war schon bei ihrem Erscheinen ein Kompendium besonderer Art. Hier spricht ein Dirigent, der zugleich Musikforscher ist in dem Sinn, dass er alles, was er tut, nicht nur werkinhärent am Notentext hinterfragt, sondern sich auch intensiv mit Quellen auseinandersetzt, mit Fassungsfragen zum Beispiel, mit historischen...
Das war überfällig. Hartmut Haenchen, einer der bedeutendsten Wagner-Dirigenten unserer Zeit, dirigiert in Bayreuth. Dass der 73-Jährige erst jetzt und «nur» als Einspringer für Andris Nelsons zum Zuge kommt, der Ende Juni, vier Wochen vor der Festspieleröffnung, die Brocken hinwarf, spricht Bände über die Zustände hinter den Mauern des Festspielhauses.
Für den...
