Klug inszenierte Kopfgeburt
In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und ihrer Liebe zu Musik und Büchern zu gedenken.
Manfred Trojahn durfte mit seinem einstündigen Auftragswerk «Lettera amorosa» den Rokokosaal der Bibliothek auf gleich drei Ebenen bespielen, sechs Streicher und zwei Soprane verbreiteten wundersame Sphärenklänge, hauchten sich verzückt Liebesbriefe von Michelangelo und Rilke zu.
Tags zuvor erlebte eine Rarität ihre Wiederaufführung nach rund 240 Jahren: Christoph Martin Wielands und Anton Schweitzers Oper «Alceste». Dass es sich eingebürgert hat, den berühmten Dichter und Intellektuellen zuerst zu nennen, wird der Sache nicht ganz gerecht, denn Wielands Bearbeitung respektive Eindampfung der euripideischen Vorlage wirkt reichlich seltsam. Neben der sich für den todgeweihten Ehemann Admet opfernden Alceste treten ihre (von Wieland hinzuerfundene) Schwester Parthenia sowie der ...
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Als Regisseurin von Filmen wie «Orlando» oder «The Tango Lesson» genießt Sally Potter Kultstatus. Nun gab sie an der English National Opera mit Bizets «Carmen» ihr Regiedebüt im Musiktheater. Die Produktion eröffnete die neue (manche Beobachter fürchten: letzte) Spielzeit der ENO. Potter, die ihre Karriere als Tänzerin begann, meinte eines der mit diesem Stück...
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...
Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch...
