Klassentreffen, Akademie, Werkstatt
I
Eine halbe Stunde noch. Im Vorhof des barocken Hôtel Maynier d’Oppéde stehen schon an die fünfzig Neugierige Schlange. Sicher ist sicher: Die Plätze sind schnell weg in den öffentlichen Meisterklassen der Académie européenne de musique, die das Festival in Aix seit 1998 veranstaltet. Man scherzt, winkt sich zu, plaudert entspannt über die Hitze, die Familie, das Essen, den Hund. In einem Französisch, das von hier ist, das nach Süden klingt.
In der Langue d’Oc, die jede Silbe ehrt und die Vokale ausschwingen lässt – sogar das (im Norden stumme) «e», auf dem so viele Wörter enden. Es sind vor allem Alteingesessene, Menschen aus der Stadt und der näheren Umgebung, die an diesem Juli-Mittag wissen wollen, wie der aus Philadelphia angereiste Gesangspädagoge und Liedbegleiter Mikael Eliasen drei seiner Schützlinge unter die Lupe nimmt. Überhaupt kommen die meisten Besucher (rund sechzig Prozent) aus der Region.
Als es endlich losgeht, ist der kleine, sonst von der Université de Provence genutzte Hörsaal bis auf den letzten Platz belegt. Der britische Tenor Nathan Vale hat eine Mozart-Rarität mitgebracht, eine Mini-Kantate für die Freimaurer, geschrieben im Juli 1791: «Die ihr des ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
In den Medien gelte Kärnten nunmehr als «Land der Gauner und der Narren», klagte dieser Tage ein in die Politik gewechselter Journalist in einer renommierten Wiener Tageszeitung. Er spielte damit nicht nur auf die alljährlich vor allem die Stammtische erheiternde Fernsehübertragung des «Villacher Fasching» an, eine Art alpenländisches «Mainz, wie es singt und...
Das auch im Denglischen gern benutzte Modewort «Package» steht im Operngeschäft für die Gesamtausstrahlung eines Sängers: Stimmtechnik, Timbre sowie Persönlichkeit und die Fähigkeit, sich zu «verkaufen». Wobei die beiden letzteren Eigenschaften gern verwechselt werden. Und es sind auch vor allem diese beiden, die häufig bei der Beurteilung von Sängern in den...
