Klangwerker der Schöpfung
Für Susanne Elgeti streift Dieter Schnebel noch einmal den Talar über, richtet das geteilte Beffchen des reformierten Protestanten, hebt die Arme und spricht den Segen für eine imaginäre Gemeinde. Die Kirche ist leer, der Atem geht schwer. Vom «Friede Gottes» hören jetzt nur die Regisseurin und ihr Team. Gut so?, fragt der Blick des Pfarrers a. D. Der «Friede Gottes» – er ist ein Leitwert, ein Sehnsuchtsort, der den mittlerweile 86-Jährigen seit jeher an- und umtreibt, den Theologen wie den Künstler. Etwas, das «jenseits von Zeit und Raum» wirkt.
Auftrag und Verheißung, Fernziel der Schöpfung, die der Mensch des entfesselten Kapitalismus gerade wieder einmal zu verspielen droht.
«Utopien» hat Schnebel seine letzte Arbeit für die Bühne genannt und ans Ende das große Segenswort gesetzt. Wie ein roter Faden ziehen sich Ausschnitte aus dem 2014 in München uraufgeführten «musikalischen Kammertheater» für sechs Stimmen, Statisten und Instrumentalensemble durch Elgetis sensibles Filmporträt. Es zeichnet nicht nur das Denken und Fragen eines Komponisten nach, der sich, angeregt durch John Cage, in seinen Werken intensiv mit der Physiologie der Stimme und der Materialität der Lautproduktion ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: DVD des Monats, Seite 29
von Albrecht Thiemann
Die Idee zu einem Album mit Arien, die Georg Friedrich Händel für seine Londoner Primadonna Francesca Cuzzoni komponierte, ist nicht neu. Lisa Saffer und Nicholas McGegan waren 1991 wohl die Ersten, die eine solche Ariensammlung vorlegten, 2009 folgte Simone Kermes, begleitet von der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner. Jetzt begibt sich die...
Es war ein Kuriosum der Operngeschichte, eine Art Doppel-Uraufführung in einem Zeitraum von vier Monaten: Im Dezember 1925 kam an der Berliner Staatsoper Alban Bergs «Wozzeck» heraus, die grandiose Vertonung des grandiosen Büchner-Dramas; im April 1926 brachte das Stadttheater Bremen eine Opernfassung desselben Stoffes von seinem damaligen Generalmusikdirektor...
Gioachino Rossinis eigene Aussagen über seine «Ermione» wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Einmal bezeichnete er das 1819 für Neapel geschriebene Werk als seinen «kleinen italienischen Wilhelm Tell», dessen Zeit wohl erst nach seinem Tod kommen werde. Dann wiederum behauptete er gegenüber Ferdinand von Hiller, «Ermione» sei eine «sehr langweilige» Oper,...
