Klangbildtheater
Energie, die mit Farbe nach dem Leben greift: Der Bühnenraum ist voller Scheiben, aufgehängt wie vertikale Perlenketten in geometrischem Raster. Ihr Kolorit changiert, passt sich Ebbe und Flut der Musik an. Links ein wirrer, struwwelbärtiger Mann, die Beine in enormen Klötzen. Ein wenig erinnert er uns an Fafner. Oder an Rübezahl. Er scheint in Gedanken versponnen, als wolle er Erinnerungen herrufen oder schlechte Träume verscheuchen. Man ahnt: Es ist Golaud. «Ich komme nicht mehr aus diesem Wald heraus», singt er. Dieser Wald freilich ist nicht Außenwelt, sondern surreale Fantasie.
So beginnt Achim Freyers malerisch märchenhafte Exegese von Debussys «Pelléas et Mélisande» in Linz.
Bald fällt das Licht auf Mélisande, zunächst ein Torso, halb aus einer Zisterne lugend, später an Seilen aus dem Schnürboden hochgezogen wie eine Marionette. Wieder, wenn auch auf andere Art als in seiner Inszenierung von Sciarrinos «Luci mie traditrici» vor einem Jahr bei den Wiener Festwochen, vermeidet Freyer jede physische Interaktion zwischen den Figuren. Beinahe alle (außer Golaud, in seinen Klötzen erdenschwer plump, und dem mit einem Hydrozephalus versehenen Yniold links vorne an der Rampe) ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Wie ein Sonnenstrahl gleißt das hohe C, als Rodolfo in «Che gelida manina» von «speranza», von der Hoffnung spricht. Hell glänzt auch das der Arie «Salut! Demeure chaste et pure», in der Faust Marguerites Heim als Wohnsitz einer holden Seele bestaunt. Ja, in der Höhe hat Saimir Pirgu Flügel. Und jenen «giovanile ardore», die jugendliche Glut, die Alfredo in «O mio...
Ab und an taucht inmitten der Figuren, die zur Handlung von Tschaikowskys «Iolanta» gehören, auch dieses zarte Mädchen im senffarbenen Kleid auf. Wer ist sie? Iolantas stumme Schwester, ihr anmutiges Alter Ego? Wir erfahren es bald genug: Als wir nämlich nach dem finalen Akkord des Einakters applaudieren wollen, winken die Darsteller ab – noch nicht! Schon weitet...
Ein «symphonisches Drama» hat Satie seine 30-minütige Kantate über die letzten Tage des Sokrates genannt. Man kann diesen Wink nur als Witz verstehen, als sarkastischen Seitenhieb auf Berlioz und seine Programmsinfonik. Denn das 1917 und 1918, zur Hochzeit des dadaistischen Sturms auf die bürgerliche Hochkultur, im Auftrag einer lesbischen Prinzessin entstandene...
