Jens-Daniel Herzog und die Dortmunder Oper
Am Dortmunder Opernhaus hat der neue Intendant Jens-Daniel Herzog kein leichtes Erbe angetreten: Die ohnehin katastrophal schlechte Auslastung stürzte in seiner Vorbereitungszeit, in der das Haus nach Christine Mielitz’ vorzeitigem Abgang ohne Führung war, ins Bodenlose ab. Das Dortmunder Publikum schien das Interesse an seinem Opernhaus gänzlich verloren zu haben. «Der Dialogfaden war gerissen», konstatiert Herzog nüchtern, es sei nun an ihm, den Faden wieder aufzunehmen und «das verlorene Vertrauen in die Opernmacher wieder zu gewinnen».
Die ersten Premieren, die Herzog seit Saisonbeginn verantwortet hat, konnten sich sehen und vor allem auch hören lassen. Den Abwärtstrend konnte er nicht nur stoppen, sondern bereits umgekehren: Die Oper verzeichnet eine Steigerung der Einnahmen um 27 Prozent bei sechs Prozent höherer Auslastung. Das ist beachtlich, aber Herzog längst nicht genug: «Wir erleben derzeit eine Diskrepanz: Wir haben ein enthusiastisches Publikum wieder- oder auch neu gewonnen, das begeistert mitgeht. Aber von diesen Enthusiasten gibt es einfach immer noch zu wenige.»
Das Problem liege auch in der starken Segmentierung: «Wir haben eines für Barockoper, ein anderes für ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Regine Müller
Eine Heldin der sozialen Verantwortung. Elisabeth von Valois ist Don Carlo versprochen. Dennoch zögert sie kaum, dem überraschenden Werben seines königlichen Vaters Philipp II. nachzugeben. Sie hat das hungernde französische Volk gesehen und tut alles, ihm endlich den Frieden zu bescheren. Als der spanische Gesandte sie fortgeleitet, kann sie die Augen nicht von...
Manchmal weiß man nach den ersten Tönen, wie es wird. So bei Micaela Carosis Auftritt in der Frankfurter «Adriana Lecouvreur». Sage und schreibe einer Erstaufführung an diesem Hause und in dieser Stadt – recht merkwürdig angesichts eines durchaus berühmten, nicht wenig dankbaren Werkes. Da wird also, wie bei einigen Puccini-Opern, vor dem Erscheinen der weiblichen...
Musiktheater findet längst nicht mehr nur in Opernhäusern statt, überschreitet das Prinzip «Textvertonung», lässt den Werkbegriff von «Stücken» hinter sich. Es schafft sich eigene Formen, bedient sich aller erdenklichen Materialien. Alles kann Musiktheater werden: ein szenisches Projekt, gespielter Labortest, Performance, Tanztheater, szenische Aktion, visuelle...
