Einstürzende Kreuze
Eine Heldin der sozialen Verantwortung. Elisabeth von Valois ist Don Carlo versprochen. Dennoch zögert sie kaum, dem überraschenden Werben seines königlichen Vaters Philipp II. nachzugeben. Sie hat das hungernde französische Volk gesehen und tut alles, ihm endlich den Frieden zu bescheren. Als der spanische Gesandte sie fortgeleitet, kann sie die Augen nicht von Carlo lassen. Die Freudengesänge der Menge klingen entsetzlich in ihren Ohren. Der Triumphmarsch des Orchesters wirkt fürchterlich auf sie.
Anja Harteros ist Elisabeth in Zürich.
Sie ist die Gestalterin, die den Konflikt glaubhaft macht, die die fünfaktige italienische Version von Giuseppe Verdis «Don Carlo» (Modena, 1886) wesentlich zu tragen imstande ist. Das Schönste indes: Sie trägt sie allein schon vokal, denn da fesselt alles – von der Mädchenhaftigkeit im Wald von Fontainebleau über die faszinierende lyrische Färbung hinein ins ganz große Leuchten, das ihren Sopran auch hier wieder so unverwechselbar macht.
Matti Salminens Philipp war die vorausgegangene Grippewelle am stärksten anzumerken. Dennoch: Was für ein souveräner Umgang mit dem Handicap, was für eine Ausdruckstiefe, was für eine kantable Bassweichheit! Alfred ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch
Endlich! Eine zwei CDs umfassende Sammlung mit Aufnahmen eines der feinsten lyrischen Baritone der Sechziger- und Siebzigerjahre: Barry McDaniel. Der 1930 in Kansas geborene Amerikaner gehört in das Molto-Triste-Kapitel über Sänger höchsten Ranges, denen der Weg ins Studio der großen Firmen aus wohlbekannten Gründen («Alles, was du bist, bist du nur durch...
Verdis «Aida», so scheint es, ist ausgereizt, eine neue Sicht nicht zu erwarten. Auch Yona Kim bedient sich in Osnabrück der Bilder, wie sie sich seit Hans Neuenfels‘ legendärer Frankfurter Inszenierung durchgesetzt haben. Der Triumphmarsch ist – wie von Verdi intendiert – ein Antitriumphmarsch, der senile König eine Marionette in Paradeuniform, Geheimdienstchef...
Sie war schon immer ein bisschen anders als die anderen. Hat sich um Erwartungen und Etikette nie geschert, wenn sie mit ihrer Alte-Musik-Kapelle im Halbkreis rockte. Und dabei Barockharfe, Psalter, Zink und Theorbe auf Forschungsreise schickte, um alles Mögliche zu suchen, um Neuland zu entdecken, nicht zuletzt für ihre CDs. Bei Monteverdi hat sie ein «Teatro...
