Janácek: Das schlaue Füchslein

Köln

Opernwelt - Logo

In Sachen Janácek war Köln (vor allem in den achtziger Jahren mit Gerd Albrecht/ Harry Kupfer) schon immer stark engagiert. Die letzte Premiere des «Schlauen Füchslein» liegt inzwischen siebzehn Jahre zurück. Es ist ausgerechnet eine Oper, mit der sich der frühere Schauspieldirektor Torsten Fischer von Köln verabschiedet, während der inzwischen hauptsächlich beim Musik­theater beheimatete Ex-Intendant Günter Krämer dies mit einem Sprechdrama, Tschechows «Möwe», tat.

Trotz Fischers Sympathie für das Werk, das er bereits an der Wiener Volks­oper erarbeitete, hinterlässt seine Inszenierung zwiespältige Eindrücke.
Fischer ahmt das realistische Felsenstein-Prinzip von 1956 im Ansatz nach. Doch erhebt sich die Frage, ob dies der Janácek-Weisheit letzter Schluss ist. Immerhin identifiziert der Komponist das (weibliche) Füchslein durch die Augen des Försters (erstklassig: Werner Van Mechelen) dezidiert mit der von allen Dörflern angehimmelten Zigeunerin Te­rynka, die sich dann aber der grobe Wilderer Háraschta (wie ein Sturmwind: Samuel Youn) erobert. Natur und menschliches Seelenleben sind nicht zu trennen. Stein Winges neutralere Düsseldorfer Konzeption (im Zirkusmilieu) wirkte vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Matthias Norquet

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Reiz des Androgynen

Die neue Solo-CD von Philippe Jaroussky (nach «Un Concert pour Mazarin») mit virtuosen Kantaten und Opernarien von Antonio Vivaldi ist eine kleine Sensation, nicht nur was die hauptsächlich von obligatem Fagott begleiteten Stücke angeht (Max Ema­nuel Cencic hatte vor zwei Jahren ein ähnliches Programm veröffentlicht), sondern was das Timbre der Stimme und die Art...

«I want more life»

Die in einer mikroskopisch kleinen Geheimschrift verfassten Texte des späten Robert Walser galten lange Zeit als nicht dechiffrierbar. Auf andere Weise verrätselt sind die Texte durch die Abfolge von Sätzen, die den Vorgang des Schreibens thematisieren und, wie Walter Benjamin anmerkte, «den vorigen vergessen zu machen» versuchen: Manifest der Spätkunst eines...

Schicksal eines Underdogs

Bei der Uraufführung einer Rameau-Oper, so ist über­liefert, rügten einst die Orchestermusiker, sie seien mit der Wiedergabe der komplexen Partitur derart beschäftigt, dass ihnen nicht einmal die Zeit zum Schnäuzen bleibe. Auch die Kieler Philharmoniker dürften sich gehörig gefordert gefühlt haben, als sie sich unter dem ebenso kenntnisreichen wie befeuernden...