Italienische Schmankerl
Der Schöpfer habe Italien, schrieb Mark Twain, nach Entwürfen von Michelangelo gemacht. Vielleicht, könnten spätere Generationen anmerken, auch nach jenen der Werbestrategen von Alfa Romeo. Von ihnen könnte jedenfalls das Bild auf dem Cover von Juan Diego Flórez’ neuem Album «Italia» stammen: la bella macchina in toskanischer Landschaft. Mit der Lässigkeit des Latin Lover lehnt der Tenorissimo aus Peru an einem roten Alfa Spider, einer Ikone der 1960er-Jahre.
Und das Programm liest sich wie die Speisekarte einer Trattoria «Amici della Musica Popolare»: Schlager von «Arrivederci, Roma» über «Volare» bis hin zum unvermeidlichen «O sole mio». Dazu Schmankerl von Donizetti («Amor marinaro»), Rossini («Bolero», «La danza»), Leoncavallo («Mattinata») und andere – leichte, aber keineswegs kalorienarme Kost. Alle diese Lieder haben sozusagen die Sonne eingefangen, und doch geht Flórez’ Darbietung über schnulziges sole-amore-Gehabe hinaus. Er lässt den einzelnen Nummern bei dieser Reise durch Zeiten und Stile Sorgfalt angedeihen, sucht Nuancen herauszuarbeiten – die er ab und an vielleicht noch mehr hätte abstufen können, wie etwa bei den Wiederholungen von «Volare». Manchmal zieht er seine ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché
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