Irrungen, Wirrungen
Johann David Heinichen (1683-1729), seit 1717 Hofkapellmeister in Dresden, ist heute hauptsächlich durch seine Orchesterwerke und die für die katholische Hofkirche bestimmten Messen bekannt. In seiner Jugend und noch während seines mehrjährigen Studienaufenthalts in Venedig komponierte er zahlreiche Opern.
Sein einziges für Dresden entstandenes Werk der Gattung, «Flavio Crispo» (1719), kam nicht zur Aufführung: Nach einem Probenstreit mit den beiden Starkastraten Senesino und Matteo Berselli löste der Kurfürst die erst in Heinichens Antrittsjahr errichtete italienische Oper wieder auf und entließ die gesamte Truppe. Die Partitur lag unbeachtet fast drei Jahrhunderte in der Dresdner Bibliothek, ehe Jörg Halubek sie aus dem Dornröschenschlaf erweckte und, leicht gekürzt, 2016 in Stuttgart zur konzertanten Uraufführung brachte. Der vom SWR aufgezeichnete Mitschnitt ist nun beim Osnabrücker Label jpc erschienen.
Über die Handlung aus der spätantiken Geschichte braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Die Figuren – Kaiser Konstantin, sein Sohn Flavius Crispus, seine Gattin Fausta und sein Rivale Maxentius – sind historisch belegt, aber recht frei behandelt. Während der Kaiser Sohn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Das Thema der diesjährigen Uraufführung an der English National Opera: der Urvater aller Serienmörder, «Jack the Ripper». So lautet der Titel des neuen London-Stücks von Iain Bell (nach «A Harlot’s Progress», siehe OW 12/2013). Gewiss, die Morde spielen eine Rolle, werden in den Erläuterungen eines Pathologen reflektiert. Doch als Figur taucht der Täter nicht auf....
Das Buch ruft erst einmal Schrecken hervor, ausgelöst durch sein Gewicht (2,5 Kilogramm), den Preis (99 Euro) und die Flut hunderter (!) Fotografien von Christian Thielemann – Großaufnahmen unzählig variierter Aspekte des Dirigierens, von Brust, Kopf, Augen, Armen und Händen des Dirigenten, die den Taktstock virtuos tanzen lassen. Thielemanns Präsenz bei Proben...
So einer ist zum Fremdschämen. Filmt seine eigene Hochzeitszeremonie mit Selfie-Stick. Überlässt seine Braut sich selbst und tapst selbstverliebt durch die ganze fernöstliche Kulisse. Wie ein Yankee 2.0: Make America great again. Preisfrage – welche Oper? Natürlich «Madama Butterfly». Am Theater Basel hat sich Vasily Barkhatov nach seinen beiden – umjubelten –...
