Flehend und fordernd
Das Buch ruft erst einmal Schrecken hervor, ausgelöst durch sein Gewicht (2,5 Kilogramm), den Preis (99 Euro) und die Flut hunderter (!) Fotografien von Christian Thielemann – Großaufnahmen unzählig variierter Aspekte des Dirigierens, von Brust, Kopf, Augen, Armen und Händen des Dirigenten, die den Taktstock virtuos tanzen lassen.
Thielemanns Präsenz bei Proben vor allem am Pult der Dresdner Staatskapelle, aus nächster Nähe festgehalten, erscheint übermächtig, beschwörend – ein Dompteur, der mit all seiner Leidenschaft daran arbeitet, die kollektive Klangbestie gleichzeitig zu zähmen und anzustacheln.
Dringt man in das von Clemens Trautmann, dem Präsidenten der Deutschen Grammophon, und dem Fotografen und Verleger Lois Lammerhuber realisierte Buch ein, wird die dramaturgische Idee greifbar: Thielemanns Dirigiermanöver wurden in vier Probensitzungen der Jahre 2013 und 2014 abgelichtet, beim Verdi- und beim Mozart-Requiem in Dresden und Salzburg, beim «Tristan» in Bayreuth und beim Dresdner Silvesterkonzert mit Operettenmusik. Was an Probenmomenten gezeigt wird, ist mit der Stoppuhr dokumentiert, wird zur Bildunterschrift und einem Kurzkommentar. Etwa so: Mozart-Requiem 7. April ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Wolfgang Schreiber
Bei Wagners «Tristan und Isolde» entscheidet sich alles im Vorspiel. Schon die ersten vier Takte sind schicksalhaft – für die folgende «Handlung» im Allgemeinen wie für die Qualität jeder einzelnen Aufführung im Besonderen. Die in den Celli sich aufwärtsschwingende Sexte ist wohl das gefährlichste Entrée der Operngeschichte.
Alain Altinoglu weiß das. Zwar...
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Die beiden Züge rasen nicht aufeinander zu, sie stehen still. Führerstände einander zugekehrt, dummerweise auf demselben Gleis. Die Lokführer bleiben stur, Verhandlungen sollen nun klären, wer zurück in den nächstliegenden Bahnhof muss. «Im stillen Kämmerlein» sollen diese Gespräche geführt werden, so die Sprachregelung der Salzburger Osterfestspiele. Und so...
