Intime Bekenntnisse
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster Ludwig XVI., Marie Antoinettes und selbst des (ihr ergebenen) Beaumarchais prallten.
Luxuriös besetzt und spektakulär inszeniert (es gab sogar ein echtes Feuerwerk!), versetzte die Uraufführung an der Met – damals die erste nach einem Vierteljahrhundert – Publikum wie Kritik in einen Taumel der Begeisterung.
Ein nennenswertes Nachleben hatten die «Ghosts» nicht: Andere Häuser schreckten vor den Dimensionen des Stücks zurück. In der nun vorgestellten neuen Fassung für das Opera Theatre of Saint Louis fehlen rund 40 Minuten Musik, und das ursprünglich in Wagner-Stärke konzipierte Orchester umfasst jetzt weniger als 60 Musiker. Was bleibt übrig? Eine unverständliche Geschichte, aufgeblasene Auftrittsarien für Figuren, die später so gut wie keine Rolle mehr spielen, gestelzte Texte, eine Folge schön-fader, austauschbarer ...
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Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...
Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig....
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...
