Vor den Augen eines Wolfes
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen Ereignisse – die Handlung spielt zur Zeit Iwans des Schrecklichen und seiner berüchtigten Geheimpolizei, der Opritschnina – sind allerdings nur der Vorwand für ein Intrigen- und Eifersuchtsdrama mit tödlichem Ausgang.
Kay Kuntze, der Künstlerische Leiter der Berliner Kammeroper, hat darum zu Recht in seiner Osnabrücker Inszenierung die Brücke über die Zeiten geschlagen. Martin Fischers variabler Bühnenraum zitiert mit der farbenbunten Ikonenwand die russische Vergangenheit, versetzt das Ganze im Übrigen aber ins heutige Russland: Die schwarzgewandete Schlägertruppe, der auch Grjasnoi angehört, trägt, wie die historische Opritschnina, Wolfsköpfe auf ihren schwarzen Ledermänteln. Und stechende Wolfsaugen schließen die Bühne nach oben ab – Symbol des in der Oper selbst nicht agierenden, aber als dräuendes Prinzip der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwischen 1760 und 1780 genoss kein italienischer Komponist in Europa höheres Ansehen als der 1728 in Bari geborene Niccolò Piccinni (eigentlich: Nicola Vito Picinno). Mozarts Bemerkung in einem 1778 aus Paris geschickten Brief an den Vater, «dass ich so viell kann als [...] Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin», spricht für sich. Heute steht von den mehr als...
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die...
Allzu viele Aufführungen von Hans Pfitzners musiktheatralischem Hauptwerk «Palestrina» gab es in den letzten Jahrzehnten nicht – und wohl überhaupt noch keine eines innovativ durchdringenden Szenikers. Das scheint erstaunlich, weil es sich um ein Schlüsselwerk an der Nahtstelle zwischen Wagner und der Moderne handelt. Und zudem um eine veritable, in vielerlei...
