Ins Äusserste getrieben
Der Vorhang – eine Ortsbeschreibung im Schummerlicht. Etwas trockenes Gras. Viel Sand. Endlose Weite am Ende der Welt. Gottverlassener geht’s nicht. Hier spielt in Zürich «La fanciulla del West». Vorhang auf. Die bühnenbreite Theke der Kneipe «Zur Polka» drückt sich ganz nahe an die Rampe und scheint kaum Raum für sinnvolles Spiel im zudem brechend vollen Raum zu lassen. Denken wir. Nicht so Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin. Er hat, unterstützt von Bühnenbauer Rufus Didwiszus und Kostümentwerfer Klaus Bruns, Giacomo Puccinis Western-Oper inszeniert.
Die Bar, die Hütte der Titelheldin, der kaputte, wie gefledderte Finalraum: Orte der Unwirtlichkeit, keine Western-Exotik.
Rohe Burschen und ihr Rabaukentum, hart am Rande der Lynchjustiz, ihre Reizbarkeit, ihr Jähzorn, ihre Rangeleien und Nicklichkeiten, ihr Frust, ihr Suff und ihre Weinerlichkeit – all das lässt Kosky auf- und ausbrechen, präzise beobachtet, aus der rasch wechselnden Stimmungslage entwickelt und aus dem drangvoll engen Durcheinander wie spontan herausgefiltert. Koskys Konzept: die absolute Buchstabentreue. Seine Einsicht: Jedwedes Aufweichen von Puccinis musikalisch präzise vorgezeichneten ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Wieder einmal lag Streik in der Luft beim Festival d’Aix-en-Provence – und nicht nur dort. In Montpellier fielen im Juni alle Vorstellungen des dreiwöchigen Printemps des Comédiens aus. Die intermittents du spectacle, die zeitweise beschäftigten Künstler und Techniker, ohne die nichts läuft bei den großen Festivals im Süden Frankreichs, sind empört. Die...
Wir feiern, was uns kostbar ist. Und kostbar waren den Fürsten des Nordens die goldenen Äpfel des Südens, die Orangen, für deren Bäume sie große Orangerien bauten, um sie im Winter vor Frost zu schützen. Die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci, geleitet von Andrea Palent, hatten etwas zu feiern: ihr 60-jähriges Jubiläum. Und da das Thema dieser Saison ohnehin...
Das Singen war hier strengstens verboten. Sogar zu Weihnachten. Wer es am Heiligabend wagte, leise, nur für sich, in der Zelle die traditionellen Lieder anzustimmen, wurde mit Arrest bestraft. Im Cottbuser Zuchthaus galten besonders harte Haftbedingungen, denn hier sperrten die DDR-Machthaber ihre politischen Gefangenen weg. Um sie zu demütigen – und dann für harte...
