Ins Absurde getrieben
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und Grün.
Christian Stückl, Oberammergauer Passionsspielleiter und Münchens Volkstheaterintendant, konterkariert zusammen mit seinem Bühnenausstatter Stefan Hageneier alles Tümelnde um den berühmten Renaissance-Komponisten und das Kirchenkonzil von 1563, tilgt alles Behäbige in dem Kampf des einsamen Genies um Kreativität, Akzeptanz, Überleben im Dienst einer autoritären Kirche.
Verschwunden ist in dieser Aufführung die Betulichkeit eines zwischen politischen und theologischen Interessen eingeklemmten Künstlerschicksals. Allerdings behält Giovanni Pierluigi da Palestrinas von Depression und Selbstbehauptung bestimmtes Geschick Züge einer Existenzkrise. Es war Intendant Nikolaus Bachler, der nach Neuproduktionen von «Macbeth» und «Wozzeck» das ominöse Stück des anrüchigen deutschen Komponisten unbedingt in seinen ersten ...
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Als Christoph Marthaler 1994 in Frankfurt Debussys «Pelléas et Mélisande» inszenierte, meinte er zu Recht, Natur liege so tief in dieser Musik, dass man sie nicht verdoppelnd auf die Bühne bringen sollte, das Stück würde sich sonst auflösen. Daher reagiert man zunächst skeptisch, wenn zu Beginn von Laurent Pellys Produktion des Werks am Theater an der Wien genau...
Elina Garanca – so hat sie es jüngst in dieser Zeitschrift erklärt – möchte keine Diva sein. Als eine solche aber wird sie, in Kleidern von Escada und Schmuck von Cartier, von ihrem Platten-Label im Booklet ihrer neuesten CD präsentiert. Dem Beispiel von La Bartoli folgend konzentriert sie sich im klug komponierten Programm auf Belcanto-Opern von Rossini...
Dass Musik das Herz ergreift, den Atem raubt, zu Tränen rührt – solchen Formulierungen haftet schnell der Ruch des Klischees, des Kitsches, des Sentimentalen an. Und die Vorbehalte gegen eine Rhetorik der Gefühlsemphase haben gute Gründe. Zum einen, weil diese Emphase von der Werbung vereinnahmt und dort zur Absatzförderung eingesetzt wird. Zum anderen, weil...
