Im Bann der Bilder
Bellinis «I puritani» spielen im England des 17. Jahrhunderts, wo Puritaner und Katholiken sich unversöhnlich im Bürgerkrieg gegenüber stehen. Elvira, die Tochter des puritanischen Gouverneurs, ist überglücklich, als sie erfährt, dass sie nicht Riccardo heiraten muss, sondern ihren Märchenprinzen kriegt, den katholischen Lord Arturo. Doch das schnelle Happy End wird zum Anlass einer tiefgreifenden Verwirrung, weil der Royalist in der belagerten Festung auf die gefangene, vom Tod bedrohte Königin Enrichetta stößt und mit der durch Elviras Brautschleier Getarnten flieht.
Elvira, die nicht begreift, vielleicht – das lassen Jossi Wieler und Sergio Morabito in ihrer bilderreichen Inszenierung offen – auch nur fantasiert, was ihr geschieht, wird wahnsinnig.
Mit der Logik der Realität ist diesem Stück nicht beizukommen, wohl aber mit der Freiheit des Traums und des Theaterspiels. Auf sie vertrauen Wieler/Morabito und entfesseln auf Anna Viebrocks genial verschachtelter Szene – einer ruinösen, jetzt als Versammlungsraum, aber auch als Abstellschuppen genutzten Kirche – eine präzis konnotierte, bis ins Letzte ausgefeilte Bilderflut, die das verschachtelte Ineinander von historischem Rahmen ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 36
von Uwe Schweikert
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