Klarheit, Tiefe, Witz
Es mag paradox klingen bei einem Musiker, der sich der Alten Musik verschrieben hat: René Jacobs ist ein Künstler, der immer in die Zukunft blickt, voller Pläne und neuer Ideen. Nur deshalb konnte er so viele unbekannte und vergessene Kompositionen wieder zum Leben erwecken und uns so viele scheinbar vertraute Werke überraschend anders hören lassen. Ich denke an die Opern von Cavalli, Cesti, Scarlatti, Steffani, Kaiser, Telemann, Hasse, Traetta und vielen anderen, die er in Brüssel, Paris, Wien oder Berlin herausbrachte.
Und ich denke an seine Mozart-Aufnahmen, die viel beachtete, neue Akzente setzten.
Ich lernte René kennen, als er 1987 zusammen mit der Akademie für Alte Musik ein Konzert mit Kantaten und Liedern Telemanns sang. Sein unverkennbares Timbre, seine einprägsame Deklamation beeindruckten mich tief. Aus der Begegnung entstand eine intensive, für mich prägende musikalische Zusammenarbeit. Meine erste Opernproduktion mit ihm war Cavallis «La Calisto» in Brüssel, inszeniert von Herbert Wernicke. In «seinem» Orchester Concerto vocale hatte René hervorragende Musiker unterschiedlichster Nationalitäten versammelt, sprang in den Proben spielend vom Französischen ins Englische, ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Bernhard Forck
Die Stube ist grell erleuchtet, Senta lümmelt auf dem Boden und glotzt Seefahrer-Videos. Hinter ihr steht eine lebensgroße Pappfigur, ein junger Mann mit Engelsflügeln und Elvis-Tolle: Der fliegende Holländer als Star-Schnitt im Jugendzimmer. Mit guten Ideen wie dieser holt Regisseurin Julia Huebner einen 170 Jahre alten Opernstoff kindgerecht ins Heute. Zum achten...
An frischer Luft den Atem leicht zu heben. Ob in den sogenannten «Schanigärten» (nach dem alten Wiener Dienernamen Jean), die alljährlich zur Sommerzeit aus den Gehsteigen vor Wiens Restaurants wachsen wie Pilze nach dem Regen. Ob in den diversen Freiluftbühnen um Wien, wobei die Gast- und die Kunststätten einander kulinarisch durchaus verwandt sind. Man muss das...
Altkaseralm, Stoana-Alm, Asten-Alm, beschaulich klingt das und sieht auch so aus. Gegen die berühmteste Wiese der Geschichte kommen Erls erhöhte Grünflächen freilich nicht an: Rütli – schon bei Erwähnung des Areals am Vierwaldstättersee türmt sich Schweizer Geschichte vor dem inneren Auge auf. Und dennoch: Gioachino Rossinis «Wilhelm Tell», hier in der...
