Hitchcock lässt grüßen
Wer neunzigmal als früherer Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra den «Don Giovanni» unter Claudio Abbado und Daniel Harding gespielt hat, der weiß, wie es geht. Und vermag nun seine durchaus eigene Sichtweise selbst dem eher Mozart-ungeübten Orchester des Venezianischen Teatro La Fenice zu vermitteln. Mit ruhiger, entschiedener Schlagtechnik ist Antonello Manacorda, ab Herbst 2010 Chef der Kammerakademie Potsdam, die Mitte dieser bemerkenswerten Mozart-Premiere.
Alle Bewegung geht vom Mann am Pult aus, er steuert, inspiriert, lässt trotzdem Freiheiten und führt sein ausgeglichenes Ensemble wie auch das folgsame, dabei prägnant klingende Orchester dahin, wo er sie haben will. So verwirklicht sich das Harnoncourt-Prinzip der Klangrede wie das eines flüssigen, italienisch warm leuchtenden Tonflusses. Manacorda gibt rasche Tempi vor, die Elvira der dauerhysterischen Carmela Remigio überschlägt sich fast in ihrer «Mi tradi»-Arie. Aber eben nur fast – so wird sie zur fesselnd risokobewussten Studie einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs.
Allen Figuren sind ständig in Bewegung. Das unaufhörliche Fortschreiten der Zeit nach dem Mord am Komtur (solide: Attila Jun), den Don ...
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Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt...
Claudio Abbado und Alfred Kirchner haben 1989 in Wien den Nachweis erbracht, dass das schwer zugängliche Historiendrama «Chowanschtschina» ein dem viel gespielten «Boris Godunow» ebenbürtiges Werk ist. Seitdem haben sich einige größere westeuropäische Häuser an dem Stück versucht und sind zu ähnlichen Resultaten gelangt. «Chowanschtschina» stellt für den Dirigenten...
