Händel: Poro
Man liebt sich, man fetzt sich. Statt der üblichen Abgangsarie hören wir ein Duett. Poro und Cleofide fauchen sich an wie Katzen und werfen sich die reizenden Melodien an den Kopf, mit denen sie sich eben noch ihre Treue versichert haben. Kurz darauf, nach der Pause, sind beide wieder in zärtlichstem fis-moll vereint, largo und pianissimo. Und das ist auch nötig, denn das Schicksal dräut in Gestalt von Alexander dem Großen, der gerade dabei ist, Indien zu erobern, das Reich von Poro und Cleofide.
In seiner einundzwanzigsten Londoner Oper mixt Händel Weltgeschichte und private Affekte besonders bunt. Das führt dazu, dass von Metastasios Libretto nicht allzu viel übrig bleibt und jede Figur ihre eigene musikalische Sprache spricht. Erissena zum Beispiel, Poros Schwester, beginnt wie eine barocke Carmen und besingt die flatternde Liebe in neapolitanischer Buffo-Manier (selbstironisch: Franziska Gottwald). Später wächst sie zur großen Staunenden und schließlich sogar zur Liebenden, geadelt durch den bukolischen Flor von Händels Musik.
Es gehört zu den musikalischen Vorzügen der jüngsten Göttinger Festspielpremiere, dass sie solche Wandlungen, so blitzartig sie auch oft erfolgen, ...
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Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ariodante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren...
Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...
