Gut und Böse
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180 Grad führt ins geheimnisvoll von elektrischem Wackelkerzen-Dämmer erhellte Auditorium, wo Marmor und Gold Pappmaché und Farbe sind, wo alles Musik und Bild gewordene Illusion ist, und wo vierhundertfünfzig Zuschauer erwartungsfroh harren. Der Auftakt im einzigen voll funktionsfähigen Barocktheater Europas, das eine deutsche Schwedenkönigin, Luise Ulrike von Preußen, Schwester Friedrichs des Großen, erbauen und ihr theaterverrückter Sohn Gustav III. zweimal am Tag bespielen ließ, er ist jedes Mal etwas Besonderes.
Das findet nur die schwedische Regierung nicht, die die Zuschüsse für das sommerliche Opernfestival in dem Schloss, zehn Kilometer vor Stockholm, stetig herunterfährt. So war dieses Jahr neben einem Marivaux-Schauspiel und Martín y Solérs «La capricciosa correta», einer Abwandlung von «Der Widerspenstigen ...
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Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern. Erst der ehemalige Colón-Intendant...
Mozarts «Don Giovanni», die Oper aller Opern, lieferte mehr Stoff zu Spekulationen als selbst das geheimnisumwitterte Requiem. Die Regisseurin Sandra Leupold indes hat alle literarisch-philosophischen Überschreibungen von Libretto und Musik dort stehen lassen, wo sie hingehören – im Buchregal – und das wahrhaft inkommensurable Werk in ihrer Heidelberger...
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer...
