Große Gefühle
Ewige Frage: Kann man, muss man, soll man den «Parsifal» inszenieren? So recht glücklich werden oft weder Kritiker noch – wenn sie im Vertrauen sprechen – Regisseure mit dem sperrigen Inhalt, den katholischen Zutaten und den vielen weit über die christliche Sphäre hinausweisenden Bezügen. Die Lösungsvorschläge fallen entsprechend bunt aus: Was etwa Christoph Schlingensief in Bayreuth als polyreligiöses Happening nicht uncharmant auf die Bühne müllte, geriet bei Christoph Nel in Frankfurt zur klassisch-strengen Gralsbruderschaftsfeier in Grau.
Auch John Dew lässt sich am Hessischen Staatstheater in Darmstadt jetzt auf eine aufgeräumte, ästhetisch stringente Deutung ein. Vielen Besuchern ist recht gottesdienstlich zumute – in der Fan-Gemeinde samt honoriger «Parsifal»-Dirigenten und Titelpartiesänger im Publikum der von uns besuchten dritten Vorstellung eine hoch willkommene Lesart.
Ganz karg das erste Bild mit einem Schriftzug, der die Namen der Kirchenlehrer von Augustinus bis Ambrosius zitiert, dahinter eine Schultafel mit Zeichnungen: Hier kreuzen sich bei Dew höchst originell «Parsifal» und «Meistersinger». Denn die Erklärungen über die Gralsbruderschaft, die Gurnemanz seinen ...
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