Grille, schwindelfrei
Oje, wenn das der liebe Gott sehen würde: Eine solche Life Story, und das ausgerechnet an einem Ort wie der altehrwürdigen Aldeburgh Church – er würde den Donner hinab zur Erde schleudern, auf dass die Menschen wieder einfache Diener in seinem Weinberg werden mögen. Aber was soll er machen, es ist zu spät.
Ohne auch nur einen Funken Anstand zu besitzen, singt diese Dame im unzüchtig ausgeschnittenen Kleid (Gweneth-Ann Jeffers) von den Wonnen der fleischlichen Liebe, und sie weiß dabei auch noch einen gewandten Dichter (Tennessee Williams) und einen versierten Komponisten (Thomas Adès) hinter sich. Ach, diese Welt, sie ist wirklich verdorben. Na ja, vielleicht nicht die ganze Welt. Aber dieser Streifen im Süden Suffolks ganz gewiss.
Aldeburgh hat sich geändert. Nicht nur das ehedem ärmliche Fischerstädtchen, welches Benjamin Britten als topografische Vorlage für «Peter Grimes» diente, ist heute ein Ort merkantil dominierter Moderne, wo Häuser beinahe Londoner Preise erzielen. Auch das von Britten gemeinsam mit Peter Pears 1948 ins Leben gerufene Festival ist den Metamorphosen der Zeit anheim gefallen. Zwar versuchen die von Meurig Bowen verantwortlich zusammengestellten ...
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Wer hätte je gedacht, dass man noch eine neue Vivaldi-Oper finden würde? 1999 wurde in Kiew die Bibliothek der Berliner Musik-Akademie entdeckt. Die Russen hatten diesen musikalischen Schatz von mehr als fünftausend Gegenständen nach dem Zweiten Weltkrieg mitgenommen. Der junge Musikwissenschaftler Steffen Voss spürte in dieser Sammlung die Oper «Motezuma, dramma...
Unter den Veranstaltungen der zehntägigen Händel-Festspiele bleibt die jährliche Inszenierung einer Händeloper, die das heimische Opernhaus traditionsgemäß beisteuert, künstlerisches Zentrum. Es gibt kaum noch ein Bühnenwerk des Barockmeisters, das nicht schon einmal in seiner Geburtsstadt aufgeführt wurde. Für das Niveau des Festspielorchesters, das auch nach der...
Im Juli 1883 unternahm der dreiundzwanzigjährige Gustav Mahler eine Pilgerreise nach Bayreuth, wo er tief bewegt dem «Parsifal» beiwohnte. «Als ich, keines Wortes mächtig, aus dem Festspielhaus hinaustrat», schrieb er an Fritz Löhr, «da wußte ich, daß mir das Größte, Schmerzlichste aufgegangen war, und daß ich es unentweiht mit mir durch mein Leben tragen werde.»...
