Grande Dame Chansonnette
Unterschiedlicher als bei Soile Isokoski und Natalie Dessay können Liedinterpretationen desselben Repertoires kaum ausfallen. Das liegt bei diesem CD-Vergleich zwar auch am Kontext – die Finnin wird vom klang-opulenten Helsinki Philharmonic Orchestra unter John Storgårds, die Französin vom Pianisten Philippe Cassard begleitet –, ist aber mehr noch dem gegensätzlichen Stimmtypus wie Temperament der beiden Sopranistinnen geschuldet.
Isokoski ergänzt die attraktive Koppelung der beiden bedeutendsten Orchesterliederzyklen der französischen Romantik, Hector Berlioz’ «Les Nuits d’été» und Ernest Chaussons «Poème de l’amour et de la mer», durch drei Lieder Henri Duparcs in der Orchestertranskription des Komponisten («Le Manoir de Rosemonde», «L’Invitation au voyage» und «Chanson triste»). Obwohl sie bereits auf die Sechzig zugeht, verfügt sie über eine glänzende Technik und makellose Intonation, vermag berückende Legatobögen zu spannen, die Spitzentöne leuchtend zu fluten und wird stimmlich gleichermaßen den subtil abgestuften Nuancen bei Berlioz wie der schwarzen Fin-de-Siècle-Melancholie Chaussons gerecht. Bewundernswert schließlich ihre skrupulöse Genauigkeit gegenüber dem ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert
Regisseur Calixto Bieito empfängt uns im ersten Aufzug seines «Tannhäuser» nicht mit einer Lusthölle, sondern mit einem Naturidyll. Die triebgesteuerte Unterwelt der Venus ist für den Spanier keine pornografische Zwangsveranstaltung, in der Tannhäuser die Luft zum Atmen dünn wird, sondern ein friedliches Reich voll frischen Grüns und zarter Sinnlichkeit....
Vor hundert Jahren war Carl Goldmarks Name in aller Munde und seine Oper «Die Königin von Saba» ein Welterfolg. Elias Canetti, der als Kind im selben Wiener Haus wie der greise, am 2. Januar 1915 gestorbene Komponist wohnte, hat in seiner Autobiografie «Die gerettete Zunge» beschrieben, wie nach Goldmarks Tod am Tag des Begräbnisses die Straße «schwarz von Fiakern...
Ich habe eine große Dummheit begangen. Ich geb’s zu: Ich hab’s getan. Ich habe mir selbst im Fernsehen zugeschaut.
Heute wird ja praktisch jede Produktion irgendwann mitgefilmt. Ich versuche schon gar nicht mehr, die Verträge für das Zeug zu verstehen. Es ist noch nicht lange her, da war die Medienpauschale eine große Sache. Eine Menge Kohle sprang dabei raus,...
