Ein König von Saba?

Johann Hofer scheut in seiner Biografie des Komponisten Carl Goldmark den Umgang mit dessen Lebenswidersprüchen

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Vor hundert Jahren war Carl Goldmarks Name in aller Munde und seine Oper «Die Königin von Saba» ein Welterfolg. Elias Canetti, der als Kind im selben Wiener Haus wie der greise, am 2. Januar 1915 gestorbene Komponist wohnte, hat in seiner Autobiografie «Die gerettete Zunge» beschrieben, wie nach Goldmarks Tod am Tag des Begräbnisses die Straße «schwarz von Fiakern und Menschen» war. In der Erinnerung geblieben ist ihm das Bild eines «kleinen, zarten Mannes mit schöngescheitelten weißen Haaren zu beiden Seiten seines dunklen Gesichts».



Johann Hofer, Gymnasiallehrer im österreichischen Burgenland, hat sich diese Zitate in seiner zum Jubiläumsjahr erschienenen Biografie Goldmarks nicht entgehen lassen. Im Übrigen tut er sich schwer mit dem Porträt eines Mannes, den die Zeitgenossen als bescheiden und schüchtern schildern und dessen Leben arm an äußeren Ereignissen war. Hofers Hauptquelle sind Goldmarks knappe Lebenserinnerungen. Durch eigene Archiv- und Bibliotheksrecherchen in Österreich, Ungarn und in den USA hat er den Weg des assimilierten Juden zurückverfolgt, der 1830 als Sohn eines jüdischen Kantors in Westungarn geboren wurde, im Alter von vier mit der Familie nach ...

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Opernwelt November 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Uwe Schweikert

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