Mit allen Schikanen
Seit Jens-Daniel Herzog das Dortmunder Opernhaus von der glücklosen Christine Mielitz übernommen hat, geht es dort kontinuierlich aufwärts. Bei gerade noch 45 Prozent lag die Auslastung, als Herzog anfing, nun kann er 75 Prozent und zudem durch die Erhöhung des durchschnittlichen Kartenpreises eine Einnahmensteigerung um satte 100 Prozent vorweisen.
Als «stabile Basis» bezeichnet Herzog die heutige Lage, die seiner Spielplanpolitik recht gibt mit ihrer geschickten Mischung aus publikumsträchtigen, mundgerecht aufbereiteten Titeln wie «Kiss me, Kate» und ambitionierten, nicht eben anschmiegsamen Regiekonzepten wie nun beim «Tristan», den der Regie führende Intendant einmal mehr selbst verantwortet.
Herzog entscheidet sich nicht für abstrahierende Bilder, sondern deutet Wagners Rausch-oper explizit politisch, indem er die Welt, von der sich Tristan und Isolde so radikal verabschieden, sehr konkret zeigt. Für ihn legitimiert sich diese Sicht aus der Entwicklung der Tristan-Figur, die zunächst als designierter Nachfolger Markes Teil der Herrschaft ist, sich dann aber vom systemtreuen Apparatschik zum Outlaw entwickelt, der vom System brutal zermalmt wird.
Herzog verlagert das im ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Regine Müller
Bildmacht ist Barrie Koskys Theater gewiss nicht abzusprechen. Olympia: ein Doppelwesen, bestehend aus einer tumben Stoffpuppe (einem Mann) und einem Automatenmöbel, aus dessen mittlerer Schublade ein roter Rapunzel-Zopf hervorzüngelt. Hoffmann, aufgespalten in gleich drei Figuren, sitzt als alter Mann (Uwe Schönbeck) auf einer Riesenraute aus leeren Pfandflaschen...
Anfangs bringt sie kein Wort heraus. Nur ein paar diffuse Laute behaupten sich gegen die aufgekratzten Trompeten und Holzbläser, gegen den sirrenden Streicher-Sound. Erst in Takt 29 findet Alicia die Sprache wieder. «Du är du. Jag är jag», entgegnet sie dem Nazi-Vater, der sie für seine Sache einspannen will. «Du bist du. Ich bin ich.» Eine Quarte stürzt die Stimme...
Nach einem Album mit romantischen Arien, darunter selten zu hörende Preziosen von Franz Schubert und Otto Nicolai, legt Christian Gerhaher nun ein weiteres vor, das ausschließlich Mozart gewidmet ist und Bassarien aus den drei Da-Ponte-Opern sowie aus der «Zauberflöte» enthält. Das erscheint auf den ersten Blick wenig spektakulär – und ist es in vielerlei Hinsicht...
