Gluck: Orfeo ed Euridice
Was ist das Leben schon wert ohne die Liebe? Nichts!, klagt Robert Carsen in Chicagos Lyric Opera – und lässt sich von Tobias Hoheisel eine graue Mondlandschaft entwerfen. Eine karge Kiesgrube für Glucks «Orfeo ed Euridice». Eine triste Gegenwelt. Auf den ersten Blick ist klar: Orpheus’ Trauer kennt keine Grenzen. Und sein Versuch, die Geliebte zu neuem Leben zu erwecken, ist zum Scheitern verurteilt.
Robert Carsens Inszenierung – ganz nach amerikanischer Art so heftig wie kurz beklatscht – versucht in ihrer Kargheit, Raum zu schaffen für Glucks Musik.
Dass sie mit viel flackerndem Feuer keine Berührungsängste mit allzu Geschmäcklerischem zeigt, sollte man ihr nachsehen. Dass der Chor singender Mumien zum Kichern komisch wirken muss, ist wohl Künstlerpech: Ausrutscher in einer sonst geschmackvoll präzisen, packenden Inszenierung.
David Daniels stolpert, unrasiert natürlich und im dunklen Anzug, durch die Ödnis: besinnungslos vor Trauer, ziellos vor Liebe. Sein Orpheus mag sich selbst kaum mehr kennen; seine Stimme aber hält David Daniels unter Kontrolle, beinahe übervorsichtig sogar zurück, so dass sie immer wieder vom Orchester überspielt wird, immer wieder in ihm zu ertrinken ...
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