Witz ohne Aberwitz
Man muss genau zuhören an diesem Abend. René Jacobs, fast möchte man schon von einem Spätstil bei ihm reden, dirigiert Monteverdis «Poppea». Es sind knapp vier Stunden von minimalistischer Wirkung. Keinerlei grobe Affekte hat Jacobs der nur als Skelett überlieferten Partitur hinzuinstrumentiert. Die Farben bleiben gedämpft, aber in sich reich, der Ton leise, aber immer subtil ausziseliert. Erzlaute, Theorbe und Harfe des brillanten Concerto Vocale sind fein aufeinander abgestimmt.
Nicht einmal wenn die von Nero verstoßene Kaisergattin Ottavia (kühl: Marie-Claude Chappuis) von Rom Abschied nimmt und ihr entsetztes «Addio» stammelt, kommen die sonst üblichen Messerstiche aus dem Orchestergraben. Stattdessen werden ein paar Akkorde sanft gezupft.
Jacobs weiß um die Intimität der venezianischen Uraufführung und weitet den Rahmen, um der Berliner Staatsoper zu geben, was sie akustisch braucht, ohne die Musik zu übermalen. Die Sänger, damit gleichermaßen unterstützt wie herausgefordert, schaffen Ausgleich zwischen dem, was man später Rezitativ und Arioso nannte: Monteverdis schlichtes, schweres «parlar cantando». Sie haben durchweg kleine Stimmen, passen sich kunstvoll ins Klangbild ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eric Vigié, Direktor der Oper in Lausanne, geht nicht den geradlinigen Weg durchs Mozart-Jahr. In einem dreifachen Programmschritt nähert er sich Mozarts «Così fan tutte». Die Inszenierung aus dem Piccolo Teatro in Mailand wird am Ende einer bunten Reihe von Veranstaltungen stehen. Der Einstieg auf der Bühne galt einem älteren, in Paris gefeierten Zeitgenossen,...
Von einer Pendlerpauschale ist nichts bekannt. Weber ging den Weg zum Arbeitsplatz zu Fuß: fünfzehn Kilometer die Elbe abwärts. Ein kleiner, schmächtiger, lungenkranker, leicht hinkender junger Mann am Stock. Erst später leistete er sich einen Wagen, um von seinem Sommerwohnsitz Hosterwitz nach Dresden zu fahren, wo er das neugegründete deutsche Departement der...
Viel näher am Gelingen als am Scheitern: Auf diesen Nenner kann man die Kasseler Neuinszenierung von Leos Janáceks «Schicksal» («Osud») bringen. Durch einen eigentlich ganz einfachen Trick schafft es Gabriele Rech, mit dieser ersten Neuinszenierung auf deutschen Brettern seit fünfzehn Jahren einer dramaturgischen Klärung sehr nahe zu kommen. Dass dennoch Fragen...
