Glanz und Staffage
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der musikalischen Leitung von Antonio Pappano im Juli 2012 am Londoner Royal Opera House (siehe OW 8/2012). Der jetzt auf DVD vorliegende Mitschnitt kann vor allem durch eine bis in die kleinsten Partien rollendeckende Besetzung punkten.
Anna Caterina Antonacci hat die den Untergang Trojas voraussagende Cassandre schon in mehreren Inszenierungen verkörpert und ist auch hier in jeder Hinsicht überragend – darstellerisch als verzweifelte Prophetin des Unheils, die alle Facetten der komplexen Figur von der Schwarzseherin bis zur liebenden Frau, von der Königstochter bis zur Selbstmörderin in Gestik wie Mimik auszudrücken weiß; gesanglich durch ihre Intensität der Deklamation und des vokalen Ausdrucks. Man versteht, weshalb die britische Kritik sie als «Callas of our time» gerühmt hat. Ähnlich nachhaltig prägt sich der für den erkrankten ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht...
Sie wütet und weint, kämpft und klagt. Hin- und hergerissen zwischen Hass und Liebe ist diese Zauberin. Ihr schlimmster Feind, der Kreuzritter Renaud, wird zu ihrem Liebhaber, der sie am Ende wieder verlässt. Gluck verleiht der Titelfigur seiner Oper «Armide» große emotionale Tiefe. Miriam Clark kostet mit ihrem beweglichen, runden Sopran jede Nuance dieses...
Herr Trinks, bevor Sie einem größeren Publikum bekannt wurden, haben Sie den langen Marsch durch einige Kleinstädte hinter sich gebracht. Wie viele junge Dirigenten tun das heute?
Mein Weg war der des klassischen deutschen Kapellmeisters. Diesen Weg schlagen immer noch viele junge Dirigenten ein. Sie fangen als Korrepetitoren an – sofern sie Klavier spielen...
