Gewitter im Innern
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge, die bedrückt, aus der es ein Entkommen kaum gibt, es sei denn hin zum Tode.
Katjas Weg ist vorgezeichnet – hellsichtig, wie sie sich gleich der Musik, mit der Janáček sie umgibt, ja, liebkost, aus dem Aufeinanderhocken wegstiehlt, den Schritt in die vermeintliche Freiheit wagt. Doch die Weite da draußen erstickt oft im Nebel, ist undurchschaubar, saugt die Menschen auf, die den Ausbruch riskieren, dieweil die Schaumkronen der Wolga sich an Land wälzen. Auch die Weite hat ihre Grenze.
Wir sind längst bei Tilman Knabes Inszenierung angelangt. Der ist heute nicht mehr der «junge Wilde», als der er einst Aufsehen erregte. Er bleibt nah am Text und vor allem auch: an der Musik; einige Überdeutlichkeiten lässt man ihm auch durchgehen. Die beiden Alten holpern etwas bemüht am Stock und an Krücken. Dafür geben sie sich beim ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Heinz W. Koch
Bühne und Zuschauerraum sind klein, doch das Geschehen wirkt ins Große geweitet. Das war schon so bei der eindrucksvollen Produktion von Luigi Nonos Hörtheater «Prometeo», mit der Benedikt von Peter seine Intendanz am Luzerner Theater eröffnete (OW 11/2016). Damals erstreckte sich eine aus rohen Planken gefertigte Arche von den Tiefen der Bühne über den...
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
An der «Gerechtigkeit» des Weltlaufs darf man zweifeln – zumal in der Musik mit ihren Wechselwirkungen von Ästhetischem und Sozialem: der Rezeptionsgeschichte samt ihren Irrungen und Wirrungen. So wurden bis vor 100 Jahren selbst Mozart, Haydn und Schubert eher unterschätzt, weil letztlich zu wenig bekannt. Mendelssohn indes galt als unangefochten populär,...
