Kaum versöhnt

Peter Gülkes erhellende Sicht auf Felix Mendelssohn Bartholdy

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An der «Gerechtigkeit» des Weltlaufs darf man zweifeln – zumal in der Musik mit ihren Wechselwirkungen von Ästhetischem und Sozialem: der Rezeptionsgeschichte samt ihren Irrungen und Wirrungen. So wurden bis vor 100 Jahren selbst Mozart, Haydn und Schubert eher unterschätzt, weil letztlich zu wenig bekannt. Mendelssohn indes galt als unangefochten populär, zumindest nach Maßgabe einer Synthese von Vergangenheit und Gegenwart. Schließlich habe er, so Robert Schumann 1840, «die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.

»

Diese Formel nimmt Peter Gülke als Motto für sein jüngstes Buch, in dem er sich erneut als so (er)kenntnis- wie perspektivenreicher, fabelhaft formulierender Autor erweist, der sich sehr wohl des Dilemmas bewusst ist: Mendelssohns überragende Bedeutung wider antisemitische Ressentiment-Schlacken herauszuarbeiten, gleichwohl Brüche, die mit seiner Herkunft zu tun haben, nicht zu verdrängen. Verdrängung freilich spielt bei Mendelssohn immer noch eine Rolle. So widmet ihm Dieter Borchmeyer in seinem 1055-Seiten-Werk «Was ist deutsch?» nur ein paar belanglose Worte. Dabei hätte sich gerade an ihm Essentielles über das «deutsche» 19. Jahrhundert ...

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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Gerhard R. Koch

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