Gespenstersonate
Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem Missverstehen in ein diffiziles Seelendrama umgewandelt wurde. Diese Ahnung trügt nicht.
Denn Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner und Licht-Designer in einer Person – ist ein Mann von eisernem Stilwillen, der einen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt zu Ende geht, auch wenn sich schon nach wenigen Metern herausstellt, dass er in eine Sackgasse führt.
An den Einzelschicksalen von Tatjana und Onegin, von Olga und Lenski ist Freyer nicht interessiert, auch nicht an den gesellschaftlichen Prämissen dieser Schicksale, also am beengten, langweiligen Leben auf dem Lande und an der prunkend-äußerlichen Fassade der Petersburger High Society. Er versucht die Geschichte so weit wie möglich zu abstrahieren und bringt sie auf den einfachsten Nenner: «Die Welt, ein ewiger Fluss des Gleichen, der auf uns zurollt und wieder vergeht». Szenisch ...
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Seit Jahren, so unkte vor einiger Zeit der Pop-Kritiker einer großen deutschen Tageszeitung, wären Musikkonzerne und Plattenfirmen damit beschäftigt zu schrumpfen, zu fusionieren oder zu sterben. Dazu auch die Aufnahmestudios. Denn immer mehr Künstler nutzten die Möglichkeiten, die neue Software und schnellere Rechner bieten; so breitete sich im gesamten Pop quasi...
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...
Für ihr neues Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der...
