Süße Sauce
Für ihr neues Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der holde Text, «wie ein gutes Menü».
Achtzehn Gänge hat das Menü.
Menü? Man muss schon einen pantagruelischen Appetit haben, um den gargantuesken Schmaus zu verschlingen, und einen sehr gesunden Magen, um diesen zu verdauen – auf jeden Fall aber eine hohe ästhetische Toleranzschwelle. Auf Giudittas «Meine Lippen küssen so heiß» folgt Louises Sehnsuchtsgesang «Depuis le jour», diesem die Barcarolle aus Offenbachs «Hoffmann», dieser Strauss’ «Cäcilie» – um nur vier Gänge dieses Allerlei zu nennen, bei dem jeder der achtzehn Gänge schmeckt wie jene süffig-wohlgefälligen Coca-Cola-Weine, die für den internationalen Touristenmarkt produziert werden.
Was das Gesangliche angeht: Die Stimme von Anna Netrebko bringt jede Menge Öchsle mit. Sie ist, wenn man von einigen hart-gleißenden Turandot-Tönen in den Operetten-Titeln aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Michael, mit welcher der beiden «Tannhäuser»-Frauen können Sie sich eher identifizieren?
Die Venus habe ich schon oft gesungen, aber ich hatte dabei seltsamerweise nie das Gefühl, diese Figur auch menschlich zu begreifen. Das passiert erst jetzt: Seit ich die Elisabeth studiere, merke ich, dass beide Figuren in Wirklichkeit eine einzige Frau sind, die nur in...
Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Einakter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-Inszenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...
Der Meister spricht vom Band. Einar Schleef beschreibt das Umfeld seines Elternhauses in Sangerhausen. Auf dem Bühnenboden ist eine «Ernst-Thälmann-Adolf-Hitler-Hindenburg-Straße» aufgemalt. Eine verfallene Bühne, eine einfache Kirche, Lichtröhren, die als Pfeil nach unten zeigen – das morbide Bühnenbild stammt von der Berliner Volksbühne. Anna Viebrock hat es...
