Gefühl und Kalkül

Kontrastprogramm: biografische Porträts der Dirigenten Leopold Stokowski und Georges Prêtre

Opernwelt - Logo

Unterschiedlicher können sie nicht sein, diese beiden Dirigenten-Leben, wie sie nun in Buchform vor uns ausgebreitet werden: hier der von Skandalen unbehelligte Georges Prêtre, dort der extravagante Leopold Stokowski, dessen Vita durchaus für einen Film getaugt hätte – das Medium, dem er so wohlwollend zugeneigt war.
Auch methodisch unterscheiden sich beide Bände.

Bei Prêtre basieren die Ergebnisse in erster Linie auf Gesprächen, die die Autoren Michaela Schlögl und Wilhelm Sinkovicz mit dem Dirigenten und seiner Familie geführt haben, ferner auf teils mehrseitigen Ausführungen seiner Weggefährten. Im Falle Stokowski hat Herbert Haffner auch auf bereits publizierte Interviews, vor allem aber auf andere gedruckte Quellen zurückgegriffen und sie in eine chronologische Ordnung gebracht. Prêtre, Sohn eines Stiefelmachers, ist ein echter «Ch’tis», also ein regionaler Abkömmling aus Frankreichs Kohlebecken im angeblich so unattraktiven Norden.
 

 Von dort führt sein musikalischer Weg nach Paris, wo Georges sich, mitten in den Wirren des Krieges, dem Zauber des Trompetenspiels und den Verlockungen der Jazz-Szene hingibt. Doch die Trompete öffnet ihm auch das Tor zum Reich der Klassik, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Medien / Bücher, Seite 28
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos ... Karneval

Herr Koch, wer ist eigentlich Cäcilia Wolkenburg? Eine alte Kölner Operndiva?
Nein, der Name leitet sich von zwei Vereinshäusern des Kölner Männergesangsvereins her. Das eine ist die alte Wolkenburg, das andere, im Krieg zerstörte, stand in der Cäcilienstraße. Das ist alles.

Sie spielen Ihr jährliches Divertissementchen traditionell in der Kölner Oper. Hat es auch...

Griff zum Welttheater

Gegen Jeffrey Chings Musiktheater ist Puccinis «Turandot» ein Waisenkind. Die Grausamkeiten der chinesischen Prinzessin stehen zwar bis auf eine kurze Szene zu Beginn in der unsichtbaren Vorgeschichte. Hier aber werden ganze Familien und Dynastien auf der Bühne hingemordet, sogar Neugeborene bleiben nicht verschont, nur weil ein machtgieriger Hofbeamter zur...

Ecce homo

Der liebe Gott weiß alles. Arthur Koestler weiß alles besser. Albert Einstein schrieb dies über einen der ungewöhnlichsten – und für seine Umgebung wohl auch recht unangenehmen – Menschen des 20. Jahrhunderts. «Koestler oder die Suche nach gedanklicher Inkonsequenz» heißt der Titel des Vorworts zu seiner Autobiografie. Der 1905 in Budapest geborene Autor des Romans...