Frischer Wind aus Pesaro
Drei gleichzeitig veröffentlichte Mitschnitte vom Rossini Festival in Pesaro geben der Hoffnung Nahrung, dass man sich in der Geburtsstadt des Komponisten auf dessen Bedeutung als Mann des Theaters zu besinnen beginnt und ihn nicht länger als Hersteller von (köstlichem) Sängerfutter unter Wert verkauft. Pizzi war gestern, möchte man nach Durchsicht der drei Inszenierungen folgern.
Noch vor seinem offiziellen Operndebüt mit La cambiale di matrimonio (1810) komponierte der 17-jährige Rossini im Auftrag des Tenors Mombelli, der mit seinen beiden Töchtern und jeweils hinzuengagierten Kollegen eine Operntruppe unterhielt, einige Duette und Arien, «ohne nur zu wissen, dass es eine Oper wurde». An dem schließlich entstandenen Werk, Demetrio e Polibio, hatte der Auftraggeber selbst wohl auch einigen kompositorischen Anteil. Es wurde erst im Mai 1812 in Venedig herausgebracht, als der junge Rossini sich bereits einen Namen gemacht hatte. Die Geschichte nach einem Libretto von Madame Mombelli ist eine archaische Romeo- und-Julia-Variante im Stil der Opera seria Metastasios. Rossini zeigt hier bei nie versiegender melodischer Einfallskraft Einflüsse von Haydn und Mozart, aber momentweise auch ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Jacques Offenbachs einzige Oper hat es in sich: Obwohl Freud noch längst nicht in Sicht war, drängen sich angesichts der an Traumsequenzen erinnernden Handlung psychoanalytische Deutungsmuster auf. Drei bizarre Liebesgeschichten erzählt der dauertrunkene Dichter Hoffmann – für den E. T. A. Hoffmann Pate stand – seinen Saufkumpanen im Laufe einer durchzechten Nacht....
Vergesst Barcelona, vergesst Madrid. Spaniens Kulturmetropole der Zukunft sollte in Valencia entstehen. Weg mit dem Ruch des Provinziellen, weg mit den Komplexen gegenüber den reichen Katalanen und den mächtigen Madrilenen. Endlich mal Spitze sein. Koste es, was es wolle. Hatte nicht Bilbao mit Frank Gehrys Guggenheim Museum vorgemacht, wie eine hässliche, darbende...
Manche mögen’s laut. Seit Edgar Varèses Orchesterdetonationen hat sich kaum ein Komponist so lustvoll fortissimo ausgetobt wie Samir Odeh-Tamimi. Als der in Tel Aviv geborene Wahlberliner aus einer palästinensischen Familie 2010 bei der Ruhrtriennale seine erste Oper vorstellte (Leila und Madschnun), wirkte die ungestüme Energie, die kunstvoll-rohe Kraft seiner...
