Freund und Feind
Am Ende war es die großzügige Spende einer isländischen Naturschutzstiftung, die Gunnsteinn Ólafssons Operntraum wahr werden ließ. Denn auch wenn Island über eine hervorragende Musikausbildung in den Schulen und auch über eine staatliche Oper verfügt: Freie Projekte, die weder der Musik- noch der Theaterkunst klar zuzuordnen sind, fallen bei der öffentlichen Förderung des 330 000-Einwohner-Inselstaates offenbar durch den Rost.
Man muss kein Öko-Bewegter sein, um sich für das Kinderopernprojekt über einen Text des populären isländischen Schriftstellers Böðvar Guðmundsson zu interessieren. Dennoch wird, wer die Dramatik und Kargheit der isländischen Landschaft und die Rauheit seiner Topografie auch nur kurz erlebt hat, sich schnell mit der Geschichte identifizieren: Eine Margerite (isländisch: «Baldursbrá»), die in einem geschützten Wiesengrund blüht, lernt einen Kiebitz kennen – und mit ihm die Sehnsucht, die Sonnenuntergänge von der Berghöhe aus anzusehen. Mit Hilfe eines Fuchses gelingt es dem Vogel, die Blume ins Gebirge zu verpflanzen, wo sie jedoch bald von Kälte, Durst und einem hungrigen Widder bedroht wird. Als der Widder seinerseits zum Angriffsziel des Fuchses und dessen ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Carsten Niemann
November 1999. Ein großer Liedersänger erprobt sich in Zürich erstmals als Alban Bergs Wozzeck. Matthias Goerne legt die Partie ganz lyrisch an, nach innen gewendet, bisweilen wie abwesend und immer wieder auf den schieren Schöngesang zielend. Das haftet bis heute.
September 2015. Wieder erprobt sich ein großer Liedersänger, der größte vielleicht derzeit, am selben...
Zum hypnotischen Ostinato von Henryk Góreckis «Sinfonie der Klagelieder» (Sopran: Debra Stanley) baut sich das erste Motiv auf. Am Boden krauchen Aussätzige. In der Mitte waltet Franz von Assisi – von ihm erzählt Jo Fabians sinfonisches Bildertheater «Francesco» am Staatstheater Cottbus –, oben zeigt sich Christus. Charaktere im altniederländischen Stil vor...
Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer. Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares...
