Drama mit Musik
Wieder ertönt das weiße Rauschen mit diesem dröhnenden Brummen. Eine aus der Gruppe von acht Leuten, die sich bis hierhin brav von Raum zu Raum bewegt hat, stößt eine Klapptür auf, wir folgen, verharren in einer Schleuse (das Dröhnen!), gelangen auf ein Zeichen durch die nächste Tür in eine Art Wartezimmer.
Kitschige Tapetendrucke, ein Zimmerbrunnen spült klares Wasser über eine Silberkugel, auf den Holzstühlen ringsum harren schon andere Zuschauer, um beim Arzt vorgelassen zu werden ‒ aufgefordert von «Sprechstundenhilfen» in Gummimasken mit mädchenhaft-wulstigen Lippen und blonder Perücke. Auf einem der Stühle sitzt Johan Simons, der «Chef»: Pullover und Cordhose, die Haare verwuschelt, das zerfurchte Gesicht unausgeschlafen.
Johan Simons ist überall bei seiner ersten Saison als Intendant der Ruhrtriennale. In Gladbeck sieht man ihn um die Ecke der Zeche Zweckel biegen, vor der Bochumer Jahrhunderthalle mit einem Tross ergebener Mitarbeiter, drinnen zur Premiere «seiner» Ruhr-Version des «Rheingolds». Und in der Musiktheater-Installation nach Claudio Monteverdis Ur-Oper «Orfeo» harrt er eben geduldig im Wartezimmer aus, bis auch er von einer der Gummimasken-Eurydiken ins ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen & Albrecht Thiemann
November 1999. Ein großer Liedersänger erprobt sich in Zürich erstmals als Alban Bergs Wozzeck. Matthias Goerne legt die Partie ganz lyrisch an, nach innen gewendet, bisweilen wie abwesend und immer wieder auf den schieren Schöngesang zielend. Das haftet bis heute.
September 2015. Wieder erprobt sich ein großer Liedersänger, der größte vielleicht derzeit, am selben...
Immer wieder formiert sich das Ensemble zum Kreis, und am Ende rundet sich auch die Aufführung, als wär’s der Tod, der alles eint. Wieder wird seine Geliebte dem Feuer überantwortet, wie das im ersten Akt schon einmal geschehen ist – und Orpheus begreift, dass sich eine Eurydike nicht wirklich halten lässt, selbst wenn die Musik dabei zum Medium seiner Beschwörung...
Die lange vernachlässigten Opern Bohuslav Martinus werden inzwischen wieder häufiger gespielt: Zuletzt zeigte Frankfurt «Julietta» und einen Einakter-Abend (siehe OW 8/2015). Jetzt zieht Essen mit Martinus letztem, in seinem Todesjahr 1959 vollendeten englischsprachigen Bühnenwerk «The Greek Passion» nach. Ein griechisches Dorf will die Passion spielen. Die Rollen...
