Gleicher unter Gleichen
Immer wieder formiert sich das Ensemble zum Kreis, und am Ende rundet sich auch die Aufführung, als wär’s der Tod, der alles eint. Wieder wird seine Geliebte dem Feuer überantwortet, wie das im ersten Akt schon einmal geschehen ist – und Orpheus begreift, dass sich eine Eurydike nicht wirklich halten lässt, selbst wenn die Musik dabei zum Medium seiner Beschwörung wird. Nicht ohne Hintergedanken hat Hofesh Shechter die English Baroque Soloists deshalb auf einer Hebebühne platziert. Er kann bei Bedarf das Orchester hochfahren.
Er kann den Graben aber auch vertiefen, wenn es die Geschichte erfordert, und so zugleich das Verbindende wie das Trennende veranschaulichen, ohne das Geschehen groß konkretisieren zu müssen. Der Erinnerungsraum von Lee Curran bleibt ohnehin eher abstrakt. Wie eine Wand gewölbt, lenkt sie nicht ab von einem Trauerritual, das so etwas Zeitlos-Gültiges gewinnt.
Hofesh Shechter, derzeit hochgehandelt als Choreograf barbarischer Bewegungskompositionen, inszeniert zum ersten Mal eine Oper. Er tut es gemeinsam mit John Fulljames: ein durchaus diskutables Debüt, selbst wenn es nicht unbedingt neue Einsichten ermöglicht. Man hat die Pariser Fassung von Glucks ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2015
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Hartmut Regitz
Zum hypnotischen Ostinato von Henryk Góreckis «Sinfonie der Klagelieder» (Sopran: Debra Stanley) baut sich das erste Motiv auf. Am Boden krauchen Aussätzige. In der Mitte waltet Franz von Assisi – von ihm erzählt Jo Fabians sinfonisches Bildertheater «Francesco» am Staatstheater Cottbus –, oben zeigt sich Christus. Charaktere im altniederländischen Stil vor...
Für Schönberg war das Musiktheater zeitlebens ein dorniges Gelände. Eine musikdramatische Energie scheint freilich auch in Werken zu wirken, die nicht für die Bühne konzipiert wurden. Und sie stand im Zentrum jener beredten Stückauswahl, die Winrich Hopp für den Schönberg-Schwerpunkt des Berliner Musikfestes getroffen hatte. Neben Mahler, Nielsen und Komponisten...
Er wollte es immer genau wissen. Bei allem, was er tat. Nicht nur, wenn es um die eigene Arbeit ging. Beim skrupulösen, sensiblen, kundigen und vor allem: musikalischen Ausloten von Libretti und Partituren, Plots und Figuren, Stoffkomplexen und Subtexten. Sondern auch, wenn er den Kollegen vom Parkett aus über die Schulter schaute. Was sie in Stücken oder...
