Finsteres Doppel
Unschuldige Frauen in den Fängen geheimnisvoller, kontrollsüchtiger Männer – so könnte die Überschrift lauten, unter der Mariusz Treliński die Opern «Iolanta» von Tschaikowsky und «Herzog Blaubarts Burg» von Bartók zu einem psychologischen Doppel im Stile des film noir kombiniert. Mit Videoprojektionen von Bartek Macias entsteht auf der von Boris Kudlička eingerichteten Bühne (Licht: Marc Heinz, Kostüme: Marek Adamski) ein gespenstischer, vorwiegend in Schwarz-Weiß gehaltener Kosmos, aus dem es kein Entrinnen gibt.
Die blinde Prinzessin Iolanta weiß nicht, dass sie anders ist als die anderen, und in Trelińskis Inszenierung ist ihr Vater, König René, darauf bedacht, sie in Isolation und Abhängigkeit zu halten. Doch als ein junger Adliger ihr vom Licht erzählt, entsteht in Iolanta der brennende Wunsch, sehen zu können. Treliński deutet an, dass es sich bei Judith in «Herzog Blaubarts Burg» später um dieselbe junge Frau handelt, die nun um jeden Preis die Wahrheit über die blutige Vergangenheit ihres rätselhaften (zweiten?) Gatten erfahren will.
«Iolanta» ist musikalisch das konventionellere Stück. Zwischen Schönklang und Schwermut changierend, wünschte man sich etwas mehr erotische ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heidi Waleson
Wälder, Felder, Schlösser, Burgen, ein Bus Richtung «Buchenwald»: Mit der Ouvertüre zu Verdis «I masnadieri» nach Schillers Erstlingsdrama «Die Räuber» hebt eine sentimental-ironische Dia-Show thüringischer Heimatbilder an. Zum elegischen Cello-Solo, über eine verschneite Feldlandschaft projiziert, folgt sodann die Prämisse des Weimarer Theaterabends: Man habe...
Erst ragt ein Fuß aus dem schrägen Kaminrohr. Dann ein Bein. Schließlich rutscht ein ganzer Kerl heraus. Landet auf einer leeren, blaustrahlenden Bühne. Splitternackt, die Haut kreidefahl. Ein Luftwesen, das keinen festen Boden kennt. Schon gar nicht den Zweck der roten Märchenkaterstiefel, die an der Rampe stehen. Die Ordnung der Dinge, die Logik der Welt ist...
Doch nicht! Wir dachten schon, Medea macht sich jetzt mit dem Drachen davon. Mit diesem kleinen grünen Plüschmonster, einem Spielzeug ihrer Kinder. Stattdessen fliegt sie im verglasten Treppenhaus von Kreons schicker Regierungszentrale mit dem Fahrstuhl in die Luft. Die Explosion lässt die Türen Feuer spucken: Medea ist erledigt. Nach dem Gemetzel, das sie...
