Wo die wilden Kerle wohnen
Wälder, Felder, Schlösser, Burgen, ein Bus Richtung «Buchenwald»: Mit der Ouvertüre zu Verdis «I masnadieri» nach Schillers Erstlingsdrama «Die Räuber» hebt eine sentimental-ironische Dia-Show thüringischer Heimatbilder an. Zum elegischen Cello-Solo, über eine verschneite Feldlandschaft projiziert, folgt sodann die Prämisse des Weimarer Theaterabends: Man habe Mitglieder der rechts- und linksradikalen Szene im Land nach ihren Ansichten, Ängsten und Hoffnungen befragt.
Volker Löschs Inszenierung kommt zunächst als Dokumentarfilm daher, dessen Vorspann über eine vor die Bühne gespannte Leinwand flimmert. Die Musik ist Soundtrack.
Mit Beginn der Handlung erfolgt ein Medienwechsel: Die Leinwand hebt sich, nun hängen statt klassischer Übertitel riesige Sprechblasen in den Raum, in denen vornehmlich Ausschnitte der im Vorspann erwähnten Gespräche erscheinen. Die Oper wird zum Comic-Strip, dessen einzelne Bilder durch Blacks scharf voneinander abgesetzt sind. Zwischen den Nummern, wieder auf großer Leinwand eingeschoben, schlagen Zusammenfassungen des Geschehens inhaltliche Brücken vom Libretto zur neuerfundenen Dokumontage: Da sehnt sich Karl Moor nach dem starken Führer und trauert der ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Katharina Duda
Opernintendanten lieben das Recht der ersten Nacht beinahe so sehr wie Mozarts Graf Almaviva: Eine Uraufführung sichert die Aufmerksamkeit von Presse und Publikum und mehrt im Idealfall den Ruhm des Hauses. Zweit- oder Drittaufführungen sind da weniger spektakulär. Aber auch sie werden honoriert, sofern sie ein Stück neu beleuchten. Vor zwei Jahren spielte die...
Robert Schumann meinte zum Finale von Chopins b-Moll-Sonate ratlos-lakonisch: «Musik ist das nicht.» Was aber ist es dann? Abgründig nennt sie Victor Hugo «das Geräusch, das denkt»: der Klang als autonomes Subjekt. Beethovens Credo «Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie» hat den metaphysischen Anspruch noch einmal übersteigert: Komponieren...
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass uns das in Venedig ansässige Centre de Musique Romantique Française mit neuen Funden überrascht. Die jüngsten Opernausgrabungen aus dem Palazzetto Bru Zane: «La Caravane du Caire» von André-Ernest-Modeste Grétry (1741-1813), «Renaud» von Antonio Sacchini (1730-1786) und «Les Bayadères» von Charles-Simon Catel (1773-1830). Die Werke...
