Fein gesponnen
Filmmusikkomponisten genießen in der Klassikwelt einen durchwachsenen Ruf. Misstrauen regt sich erst recht, wenn sie ihr Genre verlassen. In der Tat kann das ins Auge gehen, wie unlängst in London, als Lucas Cantor aus musikalischen Partikeln, die ein Smartphone-Programm aus diversen Schubert-Kompositionen destilliert hatte, die zwei fehlenden Sätze zu dessen «Unvollendeter» komponierte. Das Ergebnis war eine süßliche Melange aus Edward Elgar und dem Soundtrack eines heroisch gefärbten Feel-Good-Movies.
In Luxembourg hat sich nun – ungleich bescheidener – Alexandre Desplat an eine Kammeroper in drei Akten gewagt. Desplat ist hochdekoriert, für seine musikalischen Soundtracks hat er unter anderem bereits zwei Oscars kassiert – für die grandiosen Filme «Grand Budapest Hotel» und «Shape of Water» –, beides äußerst gewitzte, virtuos gemachte Partituren, die souverän auf unterschiedlichsten Stil-Klaviaturen spielen.
Für die Kammeroper «En Silence» wählt Desplat nun in jeder Hinsicht reduzierte Mittel. Das von ihm selbst und Solrey (alias Dominique Lemonnier) verfasste Libretto basiert auf einer Novelle des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata und erzählt von einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller
Ja, die sieben Zwerge sind wirklich traurig, als das ihnen zugelaufene Schneewittchen scheintot in seinem Sarg aus Eiskristallen liegt. Doch einer der sieben Winzlinge ist einfach nur ehrlich, wenn er sich fragt: «Wer putzt denn jetzt?» In gendergerechten Zeiten gilt es schließlich, das Verhalten jener Männer-WG zu hinterfragen, deren Bewohner wie Wagners...
Endlich wieder eine Uraufführung auf der Hauptbühne des Gran Teatre del Liceu in Barcelona; die letzte, Joan Guinjoans Oper «Gaudí», liegt fast 15 Jahre zurück (siehe OW 1/2005). «L’enigma di Lea» von Benet Casablancas, 1956 geboren, Katalane und Schüler unter anderem von Friedrich Cerha, wurde 2011 vom damaligen Künstlerischen Leiter Joan Matabosch in Auftrag...
Zu mehr als 150 Filmen hat er die Musik geschrieben. Berühmt geworden ist er mit seinen Arbeiten für Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clément und zuletzt Coppola («Der Pate» I und II). Doch Nino Rota (1911-1979), der als Wunderkind begann, der seine klassische Ausbildung bei Ildebrando Pizzetti und Alfredo Casella erhielt, hat auch etliche Symphonien, Konzerte und...
