Ideal verwirklicht

Humperdinck/Mitterer: Schneewittchen
Hamburg | Staatsoper | Opera stabile

Opernwelt - Logo

Ja, die sieben Zwerge sind wirklich traurig, als das ihnen zugelaufene Schneewittchen scheintot in seinem Sarg aus Eiskristallen liegt. Doch einer der sieben Winzlinge ist einfach nur ehrlich, wenn er sich fragt: «Wer putzt denn jetzt?» In gendergerechten Zeiten gilt es schließlich, das Verhalten jener Männer-WG zu hinterfragen, deren Bewohner wie Wagners Nibelungen im Bergwerk schuften und ziemlich froh sind, dass tagsüber endlich mal ein weibliches Wesen zu Hause für Ordnung sorgt.

Und der Prinz, der sich am Ende unsterblich ins entzückende Schneewittchen verliebt, gibt zwar zunächst den präpotent-blaublütigen Jüngling, ist aber ein echter Angsthase, der erst einmal das Weite sucht, als die Angebetete unverhofft aufwacht, nachdem ihr der von der bösen Königin verabreichte Giftapfel aus dem Halse gehüpft ist. Die tausendmal Schönere gibt sich hernach eindeutig emanzipiert: Keck schnappt sie sich das dem Prinzen vorbehaltene Steckenpferd (und eben nicht das ihr vom Königssohn angebotene) und reitet mit ihm zum Schloss seines Vaters.

Keineswegs aufgesetzt zeitgeistig, sondern unverkrampft heutig setzt Birgit Kajtna den Märchenklassiker in der Opera stabile der Hamburgischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Guten Abend, gute Nacht

Im dialektischen Sinn verhält sich das experimentelle Musiktheater «Lullaby Experience» passgenau zum diesjährigen Motto des Festivals «Frankfurter Positionen». Denn in Pascal Dusapins Musiktheater geht es gar nicht um «Grenzen der Verständigung», sprich: um Kommunikation oder deren Scheitern. Sondern um das Aufrufen und Verdichten frühester musikalischer und...

Komische Groteske

Als das Royal Opera House in den Jahren 1997–1999 saniert wurde, nutzte man die Gelegenheit, eine Studiotheaterbühne unterhalb des Auditoriums einzurichten. Doch schon bald stellte sich heraus, dass weder die Mitglieder der hauseigenen Kompanie noch das Publikum glücklich damit wurden. Die Verantwortlichen an Covent Garden reagierten: Während einer zweiten,...

«Fuck the System»

Leisten wir uns ruhig mal ein bisschen Name-Dropping. Das Stück hat es verdient. Gustav Mahler dirigierte «Dalibor» als Antrittspremiere an der Wiener Hofoper. 1897 war das – und gewiss kein Zufall. Die Titelpartie sang Hermann Winkelmann, jener Tenor, den Richard Wagner sich als ersten Parsifal nach Bayreuth geholt hatte. Schon vor Mahler hatte sich Münchens...