Fastenpredigt
Das Bühnenbild im Kölner Palladium ist denkbar einfach: die Fassade und die bescheidenen Interieurs eines kleinen Fünfziger-Jahre-Hauses auf runder Drehscheibe. Es ist Nachkriegszeit, die «dunklen Jahre» werden verdrängt, knallbunte Kostüme signalisieren neue Lebenslust. Man hat sich eingerichtet: Freunde, Bekannte und jene drei «Freier», die um Frau Penelope werben – und des verschollenen Herrn Ulisse Firma erben möchten.
Nur Penelope spielt nicht mit: Katrin Wundsam, ganz in Schwarz, mit großer Jackie-Kennedy-Sonnenbrille und in starrer Haltung, ist ein Monument der Verweigerung. Ihr flexibler Mezzo überrascht diesmal in sonorer Alt-Lage, sie entlockt ihm alle Farben der Erbitterung, Sehnsucht, Hoffnung, der Angst und Abwehr – Penelopes Drama ereignet sich in der Stimme.
Als der lange verschollene Ulisse doch noch auftaucht, ist er ein anderer geworden: ein ausgebranntes Wrack im Kampfanzug, dreckig, verkommen, mit Blut an den Händen. Wenn er sich am Ende noch einmal zur Tat aufrafft, gibt es kein archaisches Gemetzel – er macht schlicht die lustige Gesellschaft der Freier mit dem MG nieder. Der Exzess der Gewalt steht in groteskem Missverhältnis zum Anlass: eine öde Pyjama-Party ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Ingo Dorfmüller
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
Frau Lezhneva, brauchen Sie eine längere Pause?
Nein, aber ich habe tatsächlich eine ganze Reihe von Produktionen abgesagt. Nach den «Hugenotten» in Brüssel hatte ich das Gefühl, mich übernommen zu haben. Also bin ich meinen Kalender noch einmal durchgegangen. Und habe mit Marc Minkowski gesprochen. Er versteht meinen Fall.
Worin besteht Ihr «Fall»?
Ich bin noch...
Endlich! Eine zwei CDs umfassende Sammlung mit Aufnahmen eines der feinsten lyrischen Baritone der Sechziger- und Siebzigerjahre: Barry McDaniel. Der 1930 in Kansas geborene Amerikaner gehört in das Molto-Triste-Kapitel über Sänger höchsten Ranges, denen der Weg ins Studio der großen Firmen aus wohlbekannten Gründen («Alles, was du bist, bist du nur durch...
