Falsettritter
Im Booklet seines neuen Recitals «Ombra mai fu» erscheint Philippe Jaroussky als bunt gefiederter Botschafter des venezianischen Karnevals. In der Tat widmet er sein neues Album der Lagunenstadt und einer ihrer ehemaligen Zelebritäten – gemeinsam mit dem Ensemble Artaserse untersucht Jaroussky den gewichtigen Beitrag Francesco Cavallis (1602-1676) zur venezianischen Oper.
Die karnevaleske Kostümierung des Sopranisten rührt offenbar daher, dass Oper in Venedig vor allem in der «tollen Jahreszeit» gespielt wurde.
Cavalli, aus Crema bei Mailand gebürtig, war zunächst Sänger im Dienste von San Marco, wurde später dort Organist und schließlich Monteverdis Nachfolger als Kapellmeister. Wie dieser war er auch der Theaterbühne mit einem so vielfältigen wie facettenreichen Œuvre eng verbunden. Jaroussky sucht all diesen Aspekten, Pathos, Ironie, Parodie, Eros und Thanatos gerecht zu werden, dem berührenden Lamento des Idraspe aus «Erismena» ebenso wie der ironischen Doppelbödigkeit von «Delizie, contente che l’alma beate» des Giasone, der hier eher als Anti-Held und Weichling figuriert. Und auch der kuriosen Erotik von «Ombra mai fu» aus «Serse» (die Arie gab dem Album den Titel), da ein ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Gerhard Persché
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
Irgendjemand muss die Sache ausgepackt haben. Ganz vorsichtig, so wie es die Schriftzüge auf den Kulissenteilen («Fragile», «Handle with care!») empfehlen. Auch weil man dem Stück ja nicht mit der Pranke beikommen kann: Jules Massenets «Werther» ist ein Drama aus dem Reich der Zwischentöne, eine Studie der feinnervigen, mal eindeutigen, mal kaum wahrnehmbaren...
Die Verwirrung der Gefühle hat der regieführende Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera zu überwiegend zentralperspektivischen Symmetrien geordnet. Das sieht, in Jean-Guy Lecats quaderhaften Bildern, von Franco Marri differenziert ausgeleuchtet, nicht einmal übel aus, verleitet seine Figuren aber zu entsprechend gestischen Stereotypen. Arme ausbreiten, rechts,...
