Nachts im Museum
Die Verwirrung der Gefühle hat der regieführende Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera zu überwiegend zentralperspektivischen Symmetrien geordnet. Das sieht, in Jean-Guy Lecats quaderhaften Bildern, von Franco Marri differenziert ausgeleuchtet, nicht einmal übel aus, verleitet seine Figuren aber zu entsprechend gestischen Stereotypen. Arme ausbreiten, rechts, links. Die ziemlich disneymäßig originalägyptischen Priester, Krieger, Volkschoristen sowieso. Fäusteballen in Gruppen. So schauen wir in eine Art Westentaschen-Verona.
Doch das alles findet statt in der deutlich intimeren Opéra Royal de Wallonie, und Speranza Scappucci macht aus den begrenzten Überwältigungsmöglichkeiten qua Masse eine Tugend, setzt auf einen schlanken, durchsichtigen Klang. Die (seit der vergangenen Saison) musikalische Hausherrin geht es im Ganzen zügig an, arbeitet mit dem Orchester allerdings immer wieder feine, immer organische Ritardandi heraus. Schade, dass dabei manche Pause überspielt wird, da wäre, auch im Konzept Kammerspiel, noch eine Reserve an Spannung und Drama drin gewesen. Jedenfalls kann man sich an samtigem Streicherklang und schönen Einzelheiten (Englischhorn!) erfreuen.
«Aida» wird ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Holger Noltze
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
Vielleicht waren die Erwartungen (vor allem unsere) zu hoch geschraubt, wog der Ballast der Rezeptionsgeschichte zu schwer, wirkte der unbedingte Wille, Neues, Anderes, Außerordentliches schaffen zu wollen, wie eine Bremse für die Inspiration. Und vielleicht steckte schon im konzeptuellen Ansatz dieses Abends das hinterhältige Teufelchen. Traurige Erkenntnis ist...
Im vergangenen Jahr war bei den Salzburger Festspielen Gottfried von Einems Oper «Der Prozess» wiederzuhören, ein textlastiges Stück, bei dem die Gesangsstimmen als Dauerrezitativ im Korsett eines symphonisch geführten Orchesters hängen. Wenn nun auf der anderen Salzachseite im Landestheater die englischsprachige Version desselben Stoffs in der Vertonung von...
